Vorurteilen vorbeugen
03/03/2010

Bad Schussenried (zfp) – Die neunte Klasse der Drümmelbergschule in Bad Schussenried hat für zwei Tage das ZfP Südwürttemberg besucht. Im Rahmen der Anti-Stigma-Tage sollten die Schüler an das Thema Psychiatrie herangeführt und so Vorurteile gegenüber psychisch kranken Menschen vermieden werden. Nach Vorträgen und Stationsbesichtigungen im Zentrum in Bad Schussenried sprachen die Teilnehmer in einer Schlussrunde über ihre Eindrücke.

Die Klinikseelsorger Barbara John und Ulrich Mack begleiteten die Schüler während dieser zwei Tage. In einer vertraulichen Gesprächsrunde führten sie in das Thema ein, sprachen mit den Teilnehmern über Ängste und Vorurteile gegenüber psychisch kranken Menschen. Der ärztliche Direktor Dr. Rudolf Metzger klärte über Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten auf, im Anschluss besuchte die Klasse zwei Stationen, lernte Patienten und deren Leben kennen.  Am Ende des zweiten Tages setzten sie sich erneut zusammen, um die Eindrücke zu diskutieren. 

Die Schüler erhielten jeweils einen Stein und eine Rose. Der Reihe nach erzählte jeder, was er in den zwei Tagen erfahren hat, was Ihn beschäftigt und was er an positiven Eindrücken mitnehmen kann. Der Stein symbolisiert Themen, die sie verarbeiten müssen; sie sprechen darüber und legen den Stein zurück. Die Rose nehmen die Schüler mit nach Hause; sie steht für die positiven Erfahrungen. Die meisten waren überrascht, wie die Patienten während ihrer Behandlung leben. „Ich wusste nicht, dass sie so viel unternehmen. Es ist gut, dass sie so behandelt werden, dass sie danach wieder alleine zurecht kommen“, sagte einer der Schüler. „Das sind alles sehr nette Leute“, hieß aus anderer Richtung. Viele beschäftigte eine Patientin, die über ihre Depression gesprochen und dabei geweint hat. Die Frau hat sie berührt, doch sie bewundern ihren Mut, so offen über ihre Krankheit zu berichten. 

Die Veranstaltung wird von den Klinikseelsorgern des ZfP Südwürttemberg regelmäßig organisiert. Früher berichteten sie hauptsächlich in den Schulräumen über Psychiatrie, mittlerweile laden sie die Klassen häufiger in das Zentrum nach Bad Schussenried ein, um den Schülern mit Stationsbesichtigungen und Vorträgen durch Ärzte einen intensiven Einblick zu ermöglichen. „Das Projekt hat Erfolg“, sagt Barbara John. „Wenn wir früher nach Vorurteilen fragten, kamen erschütternde Antworten. Heute gehen die Jugendlichen viel offener und sensibler mit dem Thema um.“ Der 15 jährige Peter beschreibt die Veranstaltung als durchweg positiv: „Ich finde es gut, dass es solche Tage gibt, die jungen Leuten zeigen, wie das ist.“