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Informationen für Angehörige

Der Gang in eine Maßregelvollzugsklinik ist für Angehörige psychisch erkrankter Menschen ein schwerer Schritt, der häufig auch mit Ängsten, Vorurteilen und viel Unsicherheit verbunden ist. Auf dieser Seite haben wir häufige Fragen und Informationen zusammengestellt.

Häufige Fragen

Was bedeutet „Einstweilige Unterbringung“ nach Paragraf 126a Strafprozessordnung (§ 126a StPO) ?

Im Zeitraum von der Klinik-Einweisung bis zur gerichtlichen Hauptverhandlung ist Ihre Angehörige / Ihr Angehöriger in der Regel auf der Grundlage eines richterlichen Beschlusses nach § 126a StPO einstweilig in der Forensischen Klinik untergebracht. Die Einstweilige Unterbringung entspricht in etwa der Untersuchungshaft im Justizvollzug und kann bis zu 6 Monate dauern. Während der Einstweiligen Unterbringung kommen in der Regel Einschränkungen und Beschränkungen zum Tragen, wie beispielsweise Besuchseinschränkung und –überwachung, Durchsuchung von Besucherinnen und Besuchern sowie Einschränkung und Überwachung des Telefon- und Postverkehrs. Zudem hat Ihre Angehörige / Ihr Angehöriger während der Phase der Einstweiligen Unterbringung keinen, oder nur sehr eingeschränkten Ausgang. Diese Beschränkungen sind immer richterlich angeordnet (sogenannte Beschränkungsbeschlüsse) und müssen von der Forensischen Klinik entsprechend umgesetzt werden.

Wie gehe ich vor, wenn ich meinen ersten Besuch plane?

Wenn Sie Ihren ersten Besuch in der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Weissenau planen, nehmen Sie bitte zuvor telefonisch Kontakt mit der Station auf, auf der Ihre Angehörige/ Ihr Angehöriger behandelt wird. Direkt nach der Unterbringung und bis zur Hauptverhandlung ist Ihr Angehöriger in der Regel auf der Aufnahme- und Kriseninterventionsstation 2071 untergebracht. Nachfolgend finden Sie die Telefonnummern aller Stationen sowie der Forensisch-Psychiatrischen Ambulanz.

  • Station 2071
    Geschlossene und besonders gesicherte Aufnahme- und Kriseninterventionsstation. Hier findet die Diagnostik, Begutachtung und Akut-Behandlung statt. Kontakt: 0751 7601-2470
  • Station 2072
    Geschlossene Station, die auf intelligenzgeminderte und wenig belastbare psychisch kranke Patientinnen und Patienten ausgerichtet ist.
    Kontakt: 0751 7601-2278
  • Station 2073
    Offen geführte Rehabilitationsstation für psychosekranke Patientinnen und Patienten mit ausreichender therapeutischer Belastbarkeit.
    Kontakt: 0751 7601-2503
  • Station 2074
    Geschlossene Behandlungsstation für weniger belastbare psychosekranke Patientinnen und Patienten, die mehr Zeit oder mehr Schonraum benötigen.
    Kontakt: 0751 7601-2541
  • Station 2075
    Offene sozio- und psychotherapeutische Station für verhaltens- und persönlichkeitsgestörte sowie für psychosekranke Patientinnen und Patienten.
    Kontakt: 0751 7601-2343
  • Station 2076
    Umfasst zwei kleinere, offene Wohngruppen für Patientinnen und Patienten, die ein stabiles Maß an Krankheitseinsicht, Therapiemotivation
    und psychosozialer Kompetenz erreicht haben. Kontakt: 0751 7601-2623
  • Forensische Ambulanz
    In der Forensisch-Psychiatrischen Ambulanz (FPA) werden Personen behandelt, die nach der stationären Entlassung unter Führungsaufsicht stehen und eine entsprechende gerichtliche Weisung haben. In dieser Nachsorge können erreichte Behandlungsfortschritte gesichert werden.
    Kontakt: 0751 7601-2590. Zum Folder
Darf ich meinen Angehörigen anrufen oder ihm Briefe/Pakete schicken?
  • Während der Einstweiligen Unterbringung nach § 126a StPO gelten in der Regel richterlich verfügte Beschränkungen des Telefon- und Postverkehrs. Das bedeutet zum einen, dass Sie für den telefonischen Kontakt mit untergebrachten Angehörigen eine Telefonerlaubnis benötigen. Die forensische Klinik unterstützt Patienten beim Beantragen dieser Telefonerlaubnis bei der zuständigen Staatsanwaltschaft. Auch müssen die Telefonate in deutscher Sprache geführt und von den Mitarbeitenden der Klinik, oder einem Dolmetscher mitgehört werden. Zum anderen bedeutet es, dass Briefe von und zu untergebrachten Angehörigen während der Einstweiligen Unterbringung von der Klinik zunächst an die zuständige Staatsanwaltschaft zur Kontrolle weitergeleitet werden müssen. Pakete werden während dieser Phase in der Klinik geöffnet und durchsucht. Bei im Paket befindlichen Schriftstücken wird wie oben beschrieben vorgegangen.
  • Jede Station hat feste tägliche Telefonzeiten, die Sie bitte direkt auf der jeweiligen Station erfragen. Wegen der gerichtlich angeordneten Telefonüberwachung sind die Telefonzeiten zudem in der Regel zeitlich begrenzt.
Ist ein Besuch uneingeschränkt möglich?
  • Auf jeder forensischen Stationen gibt es feste Besuchszeiten, diese erfragen Sie bitte direkt auf der jeweiligen Station erfragen.
    Während der Einstweiligen Unterbringung nach § 126a StPO gelten in der Regel richterlich verfügte Besuchsbeschränkungen. Das bedeutet, dass Sie für den Besuch bei untergebrachten Angehörigen in dieser Phase eine Besuchserlaubnis benötigen. Diese beantragen Sie bitte bei der zuständigen Staatsanwaltschaft.
    Nach der Hauptverhandlung dürfen Angehörige zu den Besuchszeiten privaten Besuch in aller Regel auch ohne Einschränkung und Besuchsüberwachung empfangen (auch Freunde, Minderjährige, etc.).
  • Bitte beachten Sie, dass ein Besuch jedoch auch jederzeit von den Klinikmitarbeitenden abgebrochen oder verboten werden kann, wenn durch den Besuch die Sicherheit oder Ordnung der Station bzw. der Forensischen Klinik gefährdet wird oder gesundheitliche Nachteile für die untergebrachte Person zu befürchten sind.
  • Zu Beginn der Unterbringung findet der Besuch in der Regel ausschließlich im Besucherzimmer der jeweiligen Station statt. Wenn Patienten sich im Verlauf der weiteren Behandlung höhere Ausgangsstufen erworben hat, können die Besuche, in Rücksprache mit der jeweiligen Station, auch außerhalb der Station, im Gelände des psychiatrischen Krankenhauses Weissenau stattfinden.
  • Eine Besonderheit sind die so genannten „Revers“-Ausgänge. Dies sind Ausgänge der Patientin mit den Angehörigen ohne Personalbegleitung, weshalb diese Ausgänge während der Einstweiligen Unterbringung nicht möglich sind. Die genauen Regelungen erfragen Sie bitte direkt auf der jeweiligen Station.
Wie läuft so ein Besuch typischerweise ab?
  • Bitte kündigen Sie Ihren Besuch vorher auf der behandelnden Station an.
  • Bei Besuch von Personen, die einstweilig untergebracht sind, bringen Sie bitte Ihre Besuchserlaubnis sowie Ihre Ausweispapiere mit.
    Alkohol, Drogen, gefährliche Gegenstände und Handys dürfen nicht mitgebracht bzw. ausgehändigt werden. Auch Sie selbst sollten vor dem Besuch keinen Alkohol bzw. keine Drogen konsumiert haben.
  • Bitte erkundigen Sie sich zudem was Sie Angehörigen zum Verbleib mitbringen dürfen. In der Regel bestehen auf den Stationen Beschränkungen für Nahrungsmittel, Süßigkeiten, Zigaretten und Geldgeschenke. Die Gründe hierfür erläutern wir Ihnen auf Nachfrage gerne.
    Wenn Sie zu Besuch kommen klingeln Sie bitte auf der jeweiligen Station und melden sich bei den Mitarbeitenden an. In der Regel werden Sie dann in das Besucherzimmer der Station geführt, wo dann auch der Besuch stattfindet.
  • Während der Einstweiligen Unterbringung werden in der Regel Ihre Besuchserlaubnis sowie Ihre Ausweispapiere kontrolliert. Aus datenschutzrechtlichen Gründen werden Sie weiterhin aufgefordert, Ihr Mobiltelefon oder andere aufnahmefähige Geräte wie Tablets oder Kameras für die Dauer Ihres Besuchs bei den Mitarbeitenden abzugeben. Bitte haben Sie Verständnis, dass dies ggf. von den Mitarbeitenden kontrolliert werden muss. Auch Ihre Mitbringsel für Angehörige werden während der Einstweiligen Unterbringung, aber in der Regel auch im Verlauf der weiteren Unterbring, ebenfalls von den Mitarbeitenden kontrolliert. Mitbringsel, die nicht abgesprochen waren und nicht dem Behandlungsplan entsprechen, müssen Sie in der Regel wieder mitnehmen.
  • Während der Einstweiligen Unterbringung muss Ihr Besuch weiterhin immer in Gegenwart von Mitarbeitenden der Forensischen Klinik stattfinden.
Was muss ich für die Anreise wissen?
  • Für die Anreise mit dem PKW geben Sie in Ihr Navigationsgerät die Zieladresse Weingartshoferstrasse 2, 88214 Ravensburg ein. Das Zentrum für Psychiatrie (ZfP Südwürttemberg, Standort Weissenau) liegt im Süden der Stadt Ravensburg und ist über die Bundesstraße 30 Ulm – Friedrichshafen, bzw. die Bundesstraße 33 aus Richtung Meersburg erreichbar. Die Ausfahrt Weissenau und das ZfP sind ausgeschildert. Kostenfreie Parkmöglichkeiten finden Sie auf dem Parkplatz an der Weingartshoferstrasse (zum Lageplan)
  • Wenn Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, gelangen Sie vom Bahnhof in Ravensburg entweder mit der Bodensee-Oberschwaben-Bahn (BOB-Bahn; Haltestelle Bahnhof Weissenau) oder mit den Buslinien 3, 4 und 8 vom Busbahnhof Ravensburg nach Weissenau. Die Busse halten direkt am Haupteingang des ZfP (Haltestelle Weissenau Torplatz). Vom Bahnhof Weissenau sind es noch ca. 300 Meter (entlang der Bahnhofstrasse in Richtung Ortsmitte Weissenau) bis zum Haupteingang des ZfP.

 

 

Wie läuft das ab, wenn ich Auskunft über meinen Angehörigen möchte?
  • Patienten werden auf der Station einer Ärztin oder einem Arzt bzw. einer Therapeutin oder einem Therapeuten sowie mehreren pflegerischen Bezugspersonen zugeordnet. Diese Personen sind auch Ihre bevorzugten Ansprechpartner, da diese am besten vertraut sind mit der Behandlung. Die Zuständigkeiten erfragen Sie bitte auf der Station.
  • Alle in der Klinik Tätigen unterliegen der Schweigepflicht und dürfen somit patientenbezogene Informationen nur mit Einwilligung der untergebrachten Person weitergeben. Übergeordnete Informationen wie Besuchszeiten, Kontaktdaten, Therapieangebote sowie allgemeine Informationen über den Maßregelvollzug können Sie ohne Einschränkung erhalten.
  • Wir können Ihnen Informationen zum Behandlungsstand Angehöriger geben, wenn uns diese eine Einwilligung hierzu gegeben hat. Im Einzelfall bieten wir auch ein gemeinsames Familiengespräch an, sofern dies sinnvoll erscheint und alle Seiten damit einverstanden sind.
    Die zuständigen Therapeuten sind in der Regel werktags erreichbar. Bitte erfragen Sie die genauen Zeiten auf der zuständigen Station.
Wie verhalte ich mich bei Unklarheiten, belastenden oder irritierenden Äußerungen meines Angehörigen?

Es ist wichtig, dass Sie solche Situationen ansprechen. In einem solchen Fall wenden Sie sich bitte an die therapeutischen oder pflegerischen Mitarbeitenden der Station oder an die verantwortliche Ärztliche Stationsleitung. Sollte während Ihres Besuchs eine solche Situation eintreten, sprechen Sie bitte unsere Mitarbeitenden direkt nach dem Besuch an.

Wie kann/soll ich mich verhalten, wenn Untergebrachte keinen Kontakt wünschen?

Bitte respektieren Sie den Wunsch. Oftmals machen wir die Erfahrung, dass eine gewisse Zeit der Distanz aber auch der konsequenten Behandlung einer Erkrankung eine Stabilisierung und Beruhigung etwaiger Konflikte mit sich bringt, so dass ein sorgfältig vorbereiteter und ggf. therapeutisch begleiteter Kontaktaufbau zu einem späteren Zeitpunkt möglich sein wird.