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Wenn Familien Hilfe brauchen - Angebote in Biberach

Über die Hilfen für Familien, Kinder und junge Erwachsene diskutierten (von links) Dr. Bettina Jäpel, Dr. Rudolf Metzger, Dr. Sophie Hirsch, Anastasia Diga, Peter Grundler, Isabel Hoever und Simone Kalmbach.

Nachdem die ZfP-Abteilung in Biberach vor kurzem offiziell eröffnet worden war, ermöglichte das ZfP Südwürttemberg vergangene Woche auch der Öffentlichkeit einen Blick in das neue Gebäude. Interessierte konnten an Führungen durch die Räumlichkeiten teilnehmen und sich bei einer Podiumsdiskussion über die verschiedene Hilfeangebote für Familien im Landkreis Biberach informieren.

Der Einladung in die neue Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie Biberach des ZfP Südwürttemberg waren zahlreiche neugierige Bürger*innen, Kooperationspartner und auch ZfP-Beschäftigte von anderen Standorten gefolgt. „Wir freuen uns, Ihnen einen Einblick in unsere Arbeit geben zu können. Sie dürfen sich alles anschauen“, begrüßte die Chefärztin Dr. Sophie Hirsch die Gäste. Die Psychiaterin führte in Gruppen durch den großen Neubau. Sie zeigte das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ), die Räumlichkeiten der Spezialtherapien wie Physio-, Ergo-, Kreativ- und Kunsttherapie und erklärte die Behandlung in der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA). Die Besuchenden stellten interessiert Fragen zu den verschiedenen Behandlungsschwerpunkten in den Tageskliniken wie beispielsweise für Abhängigkeitskranke und junge Erwachsene.

Auch die beiden psychiatrischen Stationen, die ab Oktober das Angebot im Klinikneubau erweitern, konnten uneingeschränkt besichtigt werden. In den kommenden Tagen ziehen von Bad Schussenried aus eine allgemeinpsychiatrische sowie eine alterspsychiatrische Station für Menschen ab 65 Jahren mit Demenzerkrankungen um. Während der Führung erkundigten sich die Gäste nach den Stationskonzepten, nach den Verweildauern in der Psychiatrie und nach den Besonderheiten der Ein- und Zweibettzimmer.

Probleme der Jugendlichen
Nach der Klinikführung hielt Anastasia Diga, Oberärztin der Tagesklinik für Adoleszente, einen Impulsvortrag über psychische Krisen bei jungen Erwachsenen. Sie erklärte die Besonderheiten der Altersspanne bis etwa 24 Jahre. „Der Großteil der psychischen Erkrankungen tritt zwischen 14 und 24 Jahren auf“, berichtete die Expertin. Laut einer aktuellen Studie seien die Auswirkungen der Corona-Pandemie vor allem für Kinder und Jugendliche eine große Belastung, was viele Problematiken verstärke. „Vor allem bei Kindern, die davor schon belastet waren, aus sozial benachteiligten Familien kommen oder einen Migrationshintergrund haben, hat sich die Lebensqualität oft verschlechtert“, führte Diga aus. Psychische Gesundheit bleibe weiterhin ein großes politisches Thema, man müsse niederschwellige Angebote schaffen sowie für Prävention und Entstigmatisierung sorgen.

Familien im Fokus
Anschließend an den Vortrag fand noch eine Podiumsdiskussion zum Thema „Seelische Gesundheit in Familien - Herausforderungen und Lösungen“ mit verschiedenen Akteur*innen statt. Dr. Bettina Jäpel, Regionaldirektorin Donau-Riss im ZfP Südwürttemberg, stellte den Teilnehmenden unter anderem die Frage: „Was kann ich tun, wenn sich das Verhalten meines Kindes verändert? An wen kann ich mich wenden?“ Antworten lieferten Isabel Hoever vom Landratsamt Biberach, die für die Jugendhilfeplanung im Landkreis zuständig ist, Peter Grundler, Leiter der Caritas Biberach-Saulgau, Dr. Rudolf Metzger von der Diakonischen Bezirksstelle des Kirchenbezirks Biberach und ehemaliger Ärztlicher Direktor im ZfP Südwürttemberg, Simone Kalmbach, Teamleiterin Betreutes Wohnen in Familien und des Ambulant Betreuten Wohnens beim Verein Bela e.V., sowie Chefärztin Dr. Sophie Hirsch. Als Anlaufstellen genannt wurden Beratungsstellen, Online-Angebote, spezielle Ambulanzen wie die PIA, der sozialpsychiatrische Dienst, Fachdienste und niedergelassene Arztpraxen. Die Teilnehmenden diskutierten darüber, wie Hilfen im Landkreis besser vernetzt und Hilfesystemplanungen weiter vorangetrieben werden können. Dass Selbsthilfeangebote eine große Hilfe für betroffene Familien darstellen, darin waren sich alle einig.

Zusätzlich diskutiert wurden die Hilfeangebote für Familien, die Demenzkranke versorgen. Hier nannten die Podiumsgäste unter anderem das Netzwerk Demenz, die alterspsychiatrische Ambulanz des ZfP in Bad Schussenried sowie die Broschüre „Wegweiser: Älter werden im Landkreis Biberach“. Der einhellige Rat an Familien, die Angehörige versorgen, lautete: „Holen Sie sich frühzeitig Unterstützung. Die Begleitung von Demenzkranken erfordert sehr viel Kraft.“ Metzger betonte: „Es ist ein Zeichen von Stärke, Hilfe zu suchen und anzunehmen.“ Dr. Bettina Jäpel wies auf neue psychiatrische Behandlungsmöglichkeiten wie die stationsäquivalente Behandlung hin, bei der Erkrankte zu Hause behandelt werden können. Im Anschluss stellte das Publikum noch individuelle Fragen an die Expertinnen und Experten.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Biberacher Tage für seelische Gesundheit in Kooperation mit dem Landratsamt Biberach statt. Rund um den 10. Oktober, dem Welttag für seelische Gesundheit, werden verschiedene Veranstaltungen angeboten.