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Weißenauer Mahnmal

Die Stadt Ravensburg und das ZfP erinnern mit dem "Denkmal der Grauen Busse" an die sogenannte "Euthanasie-Aktion" in den Jahren 1940/41. Dieser Tötungsaktion der Nationalsozialisten fielen während des Zweiten Weltkriegs rund 300.000 psychisch Kranke und Behinderte zum Opfer. Sie galten als „lebensunwert“. Geschaffen haben das Denkmal die Künstler Horst Hoheisel und Andreas Knitz. Ein in Originalgröße in Beton gegossener Bus des gleichen Typs, wie er 1940 das Tor der Heilanstalt Weissenau zu den Todesfahrten nach Grafeneck verließ, versperrt heute die damalige Ausfahrt. Dem Denkmalsbus eingeschrieben ist das Zitat eines Patienten: „Wohin bringt Ihr uns?“

Ein zweiter, identischer Bus wird als mobiles Denkmal an verschiedenen Standorten in Deutschland und inzwischen auch Europa ausgestellt. Damit wird die Erinnerung in andere Regionen transportiert. So stand das Mahnmal unter anderem in Berlin, Stuttgart und Köln sowie München, Braunschweig und Poznań (Posen). Auch andere psychiatrische Kliniken erinnerten mit dem grauen Bus an die Opfer der sogenannten "Euthanasieaktion", beispiesweise Reichenau bei Konstanz oder Winnenden bei Stuttgart.

Psychisch Kranke in der Nationalsozialistischen Zeit

Allein in den staatlichen Heilanstalten starben bis Kriegsende mindestens 90.000 Patientinnen und Patienten durch Hunger und schlechte Versorgung oder sie wurden mit Medikamenten ermordet. Mehr als 70.000 Männer, Frauen und Kinder wurden in sechs Vernichtungsanstalten vergast. In der Tiergartenstraße Nr. 4 in Berlin – daher ist die Aktion auch unter der Abkürzung "T 4" bekannt - wurde der Massenmord zentral organisiert. In Grafeneck bei Münsingen, der ersten dieser sechs Anstalten, kamen 10654 Menschen ums Leben. Das Personal dieser Tötungsanstalt arbeitete später in den Vernichtungslagern von Auschwitz, Treblinka, Sobibor und Belcek.

Aus der Heilanstalt Weissenau wurden 1940/41 in elf Omnibustransporten 691 Patienten nach Grafeneck deportiert. Zurück kamen lediglich ihre Kleider. Es gibt kaum eine größere Gemeinde in Deutschland, in welcher nicht Opfer des organisierten Krankenmordes zu beklagen sind. Psychisch Kranke und Behinderte waren die ersten Opfer eines systematischen, von langer Hand vorbereiteten Ausrottungsplans, der sich zunächst gegen Kranke und später auch gegen vom NS-Regime als rassisch minderwertig verleumdete Personengruppen wie Juden, Sinti oder Homosexuelle richtete.