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Psychisch Kranke im Nationalsozialismus

Der sogenannten „Euthanasie-Aktion“ fielen während des Zweiten Weltkriegs rund 300.000 psychisch Kranke und Behinderte zum Opfer. Sie galten als „lebensunwert“. Allein in den staatlichen Heilanstalten starben während des Nationalsozialismus bis Kriegsende mindestens 90.000 Patientinnen und Patienten durch Hunger und schlechte Versorgung oder sie wurden mit Medikamenten ermordet. Mehr als 70.000 Männer, Frauen und Kinder wurden in sechs Vernichtungsanstalten vergast.

In der Tiergartenstraße Nr. 4 in Berlin wurde der Massenmord zentral organisiert, daher ist die Aktion auch unter der Abkürzung „T4“ bekannt. In Grafeneck bei Münsingen, der ersten von sechs dieser Anstalten, kamen 10.654 Menschen ums Leben. Das Personal dieser Tötungsanstalt arbeitete später in den Vernichtungslagern von Auschwitz, Treblinka, Sobibor und Belcek.

T4. Ophelias Garten

Der italienische Bühnenautor Pietro Floridia hat die Ermordung der psychisch Kranken und geistig Behinderten zum Thema seines Dramas „T4. Ophelias Garten“ gemacht. Es erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zweier Frauen: der Krankenschwester Gertrud und der „andersartigen“ Ophelia. Das ZfP Südwürttemberg hat dieses Theaterstück eigens für den Gedenktag 2021 und für die Verwendung im Schulunterricht aufzeichnen lassen. Ab 27. Januar finden Sie hier das Video dieser mithilfe von Laiendarstellerinnen und viel ehrenamtlichem Engagement realisierten Aufführung. Es soll das Gedenken an die Opfer ermöglichen – auf pandemiebedingt getrennte und doch gemeinsame Weise.

Es gibt kaum eine größere Gemeinde in Deutschland, in welcher nicht Opfer des organisierten Krankenmordes zu beklagen sind. Psychisch Kranke und Behinderte waren die ersten Opfer eines systematischen, von langer Hand vorbereiteten Ausrottungsplans, der sich zunächst gegen Kranke und später auch gegen vom NS-Regime als rassisch minderwertig verleumdete Personengruppen wie Juden, Sinti oder Homosexuelle richtete.

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Seit 1996 ist der 27. Januar der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, an dem bundesweit an die Geschehnisse der damaligen Zeit erinnert wird. Auch das ZfP Südwürttemberg veranstaltet jährlich Gedenkfeiern an den Standorten Weissenau und Zwiefalten, insbesondere um an die zahlreichen psychisch kranken und geistig behinderten Menschen zu erinnern, die im Rahmen der nationalsozialistischen „Euthanasie“ ermordet wurden. Leider macht es die Corona-Pandemie derzeit unmöglich, Veranstaltungen durchzuführen, bei denen viele Gäste zusammenkommen. Das ZfP Südwürttemberg, die Stadt Ravensburg sowie die Gemeinde Zwiefalten möchten dem Erinnern trotzdem Raum geben: in diesem Jahr online. Alles zum Gedenktag 2021 wird am 27. Januar auf dieser Seite bereitgestellt.

Das Denkmal der Grauen Busse

Aus der Heilanstalt Weissenau wurden 1940/41 in elf Omnibustransporten 691 Patientinnen und Patienten nach Grafeneck deportiert. Zurück kamen lediglich ihre Kleider. Das „Denkmal der Grauen Busse“ auf dem Gelände des ZfP Südwürttemberg erinnert an die Tötungsaktion der Nationalsozialisten.

Psychiatriegeschichte erleben

Interessieren Sie sich für Psychiatriegeschichte? Das Württembergische Psychiatriemuseum in Zwiefalten informiert mit zahlreichen Exponaten und Wechselausstellungen über die Historie der Psychiatrie.