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2. Südwestdeutsche StäB-Tagung

Prof. Dr. Gerhard Längle hieß die rund 250 Tagungsteilnehmenden willkommen.

Die neue Behandlungsform StäB (stationsäquivalente Behandlung) kann nach einem neuen Gesetz seit Januar 2018 in Fachkrankenhäusern flächendeckend eingeführt werden. StäB ermöglicht es, psychisch kranke Menschen in ihrem gewohnten Umfeld zu Hause zu versorgen. Nach einer Erprobungsphase hat das ZfP Südwürttemberg StäB bundesweit als erstes in seinen Einrichtungen eingeführt. Bei der 2. Südwestdeutschen StäB- Tagung in Zwiefalten hat das ZfP über die Erfahrungen mit der neuen Behandlungsform informiert, des Weiteren wurden die Rahmenbedingungen und die praktische Umsetzung sowie offene Fragen diskutiert.

Seit Januar 2018 kann StäB laut dem neuen Gesetz zur Weiterentwicklung der Versorgung und der Vergütung für psychiatrische und psychosomatische Leistungen (PsychVVG) von allen Psychiatrischen Krankenhäusern sowie Allgemeinkrankenhäusern mit psychiatrischen Fachabteilungen zum 1. Januar 2018 eingeführt werden. Das ZfP Südwürttemberg nimmt hierbei eine Vorreiterrolle ein: Nach einer mehr als einjährigen Erprobungsphase an zwei Standorten wurde StäB nach und nach bisher in Zwiefalten, Reutlingen, Ravensburg, Friedrichshafen und Ehingen eingeführt, weitere Standorte sollen folgen. „StäB bedeutet, dass wir akut psychisch Erkrankte, die sonst stationär aufgenommen werden würden, zu Hause aufsuchen und dort behandeln. Das ist eine Revolution in der psychiatrischen Versorgung“, erklärt Prof. Dr. Gerhard Längle, Regionaldirektor Alb-Neckar und verantwortlich für die StäB-Einführung im ZfP. „Man erreicht jetzt Menschen, die sonst nicht in die Klinik gekommen wären“, so Längle. Dies seien beispielsweise Erkrankte, die zu viel Nähe auf einer Station nicht ertragen könnten oder ihr Zuhause nicht verlassen wollen, da sie ein Kind oder ein Haustier versorgen müssen. Angehörige können in die Behandlung enger mit einbezogen werden, für viele sei diese Art der Behandlung entlastender.

Welche Rahmenbedingungen erfüllt werden müssen, ist gesetzlich festgelegt: Unter anderem muss eine vollstationäre Behandlung indiziert sein, wöchentliche Visiten und Fallbesprechungen sind Pflicht und Angehörige oder im selben Haushalt lebende Personen müssen der Behandlung zustimmen. Das Team des aufsuchenden Angebots ist multiprofessionell, von Ärzten über Pflegekräfte bis hin zu Spezialtherapeuten sind verschiedene Mitarbeitende involviert – mindestens drei Berufsgruppen müssen laut Gesetz beteiligt sein. Täglich soll mindestens einmal ein persönlicher Patientenkontakt hergestellt werden.

Die bisherigen Erfahrungen mit StäB am ZfP sind vielversprechend. Dr. Hubertus Friederich, Ärztlicher Direktor in Zwiefalten, zieht ein positives Fazit: „Das soziale Umfeld eines Menschen erleben zu dürfen, ist sehr wichtig, es gibt einem neue Perspektiven. Die enge Arbeit ist persönlich und privat, man hat eine andere Beziehung zum Patienten.“ „Wenn man bei einem Patienten nicht zu Hause war, kennt man nur die Hälfte der Probleme“, weiß auch Ralf Aßfalg, Pflegedirektor in Zwiefalten.

Im November 2017 fand bereits eine erste Tagung zum Thema StäB im ZfP Südwürttemberg am Standort Weissenau statt, am vergangenen Dienstag hatte das ZfP nun zur 2. Südwestdeutschen StäB-Tagung nach Zwiefalten eingeladen. Etwa 250 Fachleute, Vertretungen von Krankenkassen, Angehörigen- und Betroffenenverbände und weitere Interessierte von anderen Kliniken und Einrichtungen waren in der Rentalhalle zusammengekommen, um von den Erfahrungen bei der Umsetzung im ZfP zu profitieren. Nach einer kurzen Einführung von Prof. Dr. Längle sprach Anja Röske, Referentin der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Dezernat VII, Qualitätssicherung, Transplantationsmedizin und Psychiatrie aus Berlin, über den aktuellen Stand von StäB aus Sicht des Interessenverbands DKG. Röske berichtete über die Verhandlungsdiskussionen, die zu den aktuellen Rahmenbedingungen geführt hatten, und wertete StäB als neuen innovativen Behandlungsansatz.

Melanie Gottlob, Projektkoordinatorin StäB im ZfP Südwürttemberg, referierte über die aufwändige Dokumentation der Leistungserbringung und was bei der Planung beachtet werden müsse. So sei bei StäB mit einem Zusatzaufwand durch Fahrten zu den Patienten und in der Logistik zu rechnen, auch der Personalbedarf sei höher als in der vollstationären Behandlung. Zum Austausch mit anderen Kliniken, die StäB eingeführt haben oder vorbereiten, wurde ein Netzwerk StäB ins Leben gerufen. Prof. Dr. Längle brachte das Publikum auf den aktuellen Stand der Umsetzung im ZfP. Derzeit werden an den teilnehmenden Standorten zwischen drei bis sechs Patienten zu Hause behandelt, Zielgröße sollen 40 bis 50 Plätze im gesamten ZfP sein. StäB sei gut umsetzbar und die Mitarbeitenden oft sehr interessiert, so Längle. Rainer Höflacher, Geschäftsführer des Landesverbands Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg, sprach für die Interessen der Menschen, die in der Psychiatrie behandelt werden und wurden, und brachte Wünsche und Erwartungen an StäB zum Ausdruck. Insgesamt lobte er das Vorgehen und das Versorgungsangebot, wünschte sich aber weiterhin einen offenen Dialog und die Einbeziehung der Psychiatrieerfahrenen.

In Workshops behandelten die Tagungsteilnehmer verschiedene Themen und sprachen beispielsweise über Erfahrungen anderer Kliniken mit StäB oder wie die Teamorganisation gelingen kann. Bei der abschließenden Podiumsdiskussion stellten sich Vertreter aus den Bereichen Allgemeinpsychiatrie, Suchterkrankungen und Alterspsychiatrie den Fragen aus dem Publikum im Bezug auf fachspezifische Besonderheiten.

DOWNLOADS Präsentationen
> Roeske: Sachstand und Einordnung DKG
> Gottlob: Dokumentation, Budgetierung
> Längle: aktueller Stand im ZfP
> Hoeflacher: Erwartungen Psychiatrieerfahrene
> Workshop 1: Erfahrungen Klingenmuenster
> Workshop 2: StäB im ZfP: selbstorganisierte Teams
> Workshop 4: StäB im ZfP: übergeordnete Teams