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3. Pflegesymposium Südwürttemberg

Zum 3. Pflegesymposium Südwürttemberg kamen knapp 300 Interessierte, um sich zum Thema „TatOrt Milieu“ zu informieren.

Das Milieu ist entscheidend

 Wie kann ein geeignetes Umfeld geschaffen werden, das die Genesung psychisch kranker Menschen fördert? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Teilnehmenden des 3. Pflegesymposiums Südwürttemberg, das unter dem Titel „TatOrt Milieu“ am vergangenen Donnerstag in Weissenau stattfand. In Vorträgen und Workshops bekamen die Pflegekräfte Ideen und Anregungen für die bewusste Gestaltung des Milieus bei ihrer täglichen Arbeit.


Moderatorin Irmgard Hepp, pflegerische Leiterin der Klinik II des ZfP Südwürttemberg in Weissenau, begrüßte die knapp 300 Teilnehmenden, Pflegekräfte und Interessierte, in der Mehrzweckhalle und erklärte: „Tatort in Zusammenhang mit Milieu soll deutlich machen, dass ein Milieu nicht einfach da ist oder geschieht.“ Ein Milieu werde durch die Umwelt und durch die Pflegenden gestaltet. Dr. Dieter Grupp, Geschäftsführer des ZfP Südwürttemberg, ging in seiner Eröffnungsrede auf die derzeitige Situation der Pflege in Deutschland und die Weiterbildungsmöglichkeiten ein. Zielführend sei die Akademisierung, so Grupp. Die praktische Handlungskompetenz der Pflegenden, die „Pflege am Bett“, müsse erweitert werden. „Wir werden den Pflegeberuf wieder dorthin bringen, wo er hingehört: ganz nach vorne“, sagte er hoffnungsvoll. Hans-Peter Elsässer-Gaißmaier, Pflegedirektor des ZfP in Bad Schussenried, betonte: „Das Milieu ist entscheidend.“ Es sei Kern der täglichen pflegerischen Arbeit, eine geeignete Umgebung zu generieren.

Prof. Dr. André Nienaber, Professor für Psychische Gesundheit und Psychiatrische Pflege an der Fachhochschule der Diakonie Bielefeld, hielt den ersten Vortrag zum Thema „Das machen wir doch schon!? – Sicherheit durch Beziehungs- und Milieugestaltung in der akutpsychiatrischen Versorgung“. „Das therapeutische Milieu ist ein wesentlicher Einflussfaktor, um Konfliktsituationen einzudämmen“, erklärte er und berichtete in diesem Zusammenhang über das Safewards-Modell. Der Referent lud die anwesenden Pflegekräfte zur Selbstreflexion ein: „Überprüfen Sie selbstkritisch Ihre eigene Praxis, wie Sie auf den Stationen miteinander umgehen.“ Nur so könnten Maßnahmen zur Weiterentwicklung erkannt und ermöglicht werden. Antje Wilfer vom Netzwerk Stimmenhören e.V. berichtete anschaulich und mit einigen Anekdoten von ihrer Arbeit als Peer-Mitarbeiterin auf einer akutpsychiatrischen Station. Die Referentin ist psychiatrieerfahren und hat bereits 15 Jahre Erfahrung in der Begleitung von Menschen, die Stimmen hören. Wilfer bezeichnete sich selbst als eine Art Vermittlerin: „Ich bin da, höre zu und zeige Verständnis.“ Das sei ein wichtiger Teil bei Menschen in Krisen. Als Geschäftsführer von Buurtzorg Deutschland stellte Johannes Technau das revolutionäre Pflegemodell Buurtzorg aus den Niederlanden vor, das mittlerweile auch in Deutschland angekommen ist. In kleinen selbstorganisierten Teams ohne Pflegedienstleitung und ohne Hierarchien leisten die Pflegekräfte eine individualisierte ambulante Pflege. Leitprinzipien seien Autonomie, Selbständigkeit, Kreativität und eine umfassende Pflege, bei der das soziale Netzwerk der Pflegebedürftigen beteiligt sei. „Wir möchten den Pflegekräften ihren Beruf wieder zurückgeben“, sagte Technau im Hinblick auf die aktuelle politische Diskussion über die Pflege in Deutschland. Jedoch müssten noch einige Fragen mit den Pflege- und Krankenkassen geklärt werden, wie das Modell in die bestehenden Systeme integriert werden könne.

Im Anschluss wurde der Pflegepreis der Bundesfachvereinigung Leitender Krankenpflegepersonen der Psychiatrie e.V. (BFLK) des Landesverbands Baden-Württemberg verliehen. Die ersten drei Preise gingen an Mitarbeitende des ZfP Südwürttemberg. Vor der Mittagspause unterhielt die inklusive Theatergruppe companie paradox das Publikum mit einzelnen Sequenzen zu Verstrickungen des Alltags. Am Nachmittag vertieften die Tagungsteilnehmenden die Eindrücke aus den Vorträgen in verschiedenen Workshops und Praxisbeispielen. So diskutierten sie unter anderem zu den Themen Sicherheit durch Beziehungs- und Milieugestaltung oder Buurtzorg und beleuchteten praktische Möglichkeiten, wie eine Umwelt kreiert werden kann, die Genesung fördert – ob im häuslichen Milieu bei der stationsäquivalenten Behandlung, in der stationären Demenzbehandlung oder in der offenen Akutpsychiatrie. In einem abschließenden Trialog, der von Dr. Uwe Schirmer, Leiter der akademie südwest, moderiert wurde, wurden die Erkenntnisse des Tages noch einmal zusammengefasst.

i: Künftig wird das Pflegesymposium jährlich veranstaltet. Das 4. Pflegesymposium Südwürttemberg soll am 2. Juli 2020 stattfinden.