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Behandlung für Mutter, Vater und Kind

Ziel der Therapie ist es, die Beziehung zwischen Mutter oder Vater und Kind zu verbessern und die Eltern in ihrer neuen Rolle zu bestärken.

Mit der Einstellung von zwei Kinderkrankenschwestern wurde das Mutter/Vater-Kind-Programm in der SINOVA Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Ravensburg, einer Abteilung des ZfP Südwürttemberg, vor einem Jahr ausgebaut. Drei Plätze stehen für psychisch erkrankte Mütter oder Väter mit einem Kind von 0 bis 2 Jahren zur Verfügung. Nur wenige Angebote in Baden-Württemberg beziehen die Kinder in die therapeutische Behandlung der Elternteile ein.

Ein Kind stellt das gewohnte Leben der Eltern auf den Kopf. Vieles verändert sich durch den Nachwuchs, der plötzlich zum Lebensmittelpunkt wird. Das kann psychische Probleme nach sich ziehen: Manche Mütter können sich nicht über ihr Kind freuen, andere sind überfordert und wissen nicht, wie sie mit ihrem Kind umgehen sollen. Die neue Rolle als Vater wird zur Herausforderung, Perfektionismus zum Problem. Leiden die jungen Mütter oder Väter unter Depressionen, Ängsten, Posttraumatischen Belastungsstörungen oder psychosomatischen Störungen, bietet die Mutter/Vater-Kind-Behandlung der SINOVA Klinik Ravensburg professionelle Hilfe. Das gilt auch für diejenigen, bei denen schon vor der Entbindung eine psychische Erkrankung vorhanden war.

Die spezifischen Therapiebausteine basieren auf dem Konzept von Dr. Christiane Hornstein, Leiterin des Zentrums für Peripartale Therapie des ZfP Nordbaden. Die fünf Module des Programms umfassen die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung der Eltern, eine verhaltenstherapeutische Mütter- beziehungsweise Vätergruppe, videogestützte Einzelpsychotherapie der Mutter/Vater-Kind-Interaktion, Unterstützung der Mutter/Vater-Kind-Beziehung im Alltag und Arbeit mit  den Vätern oder Müttern und ihren Angehörigen und im Bedarfsfall mit dem weiteren ambulanten Hilfenetzwerk. Die Mitarbeitenden der SINOVA Klinik wurden von Hornstein vor Beginn des Programms geschult, um sie für das Mutter/Vater-Kind-Setting und dessen Besonderheiten zu sensibilisieren.

Eine Behandlung ist nach individueller Absprache ambulant, tagesklinisch oder stationär möglich. Während des stationären Aufenthalts von 6 bis 8 Wochen werden für die erkrankten Mütter und Väter gemeinsam mit ihren Kindern Einzelzimmer zur Verfügung gestellt, in denen sich auch  - im Gegensatz zur üblichen Praxis – die anderen Elternteile aufhalten dürfen, um die Familie als Einheit zu stärken. Für die Zeiten therapeutischer Behandlung – seien dies Einzelgespräche oder Angebote von Gruppen- und Maltherapie über soziales Kompetenztraining bis Qigong – versorgen speziell ausgebildete Krankenschwestern die Kinder. Für den Erfolg der Therapie ist es jedoch wichtig, dass die Eltern viel Zeit mit ihren Kindern verbringen können, weswegen die Therapieangebote individuell ausgewählt werden. Einmal in der Woche gibt es eine „Auszeit“, in der sich die Mütter oder Väter um sich kümmern können. In der Mütter-/Vätergruppe werden Themen angesprochen, die spezifisch an die Situation der Eltern angepasst wurden. Diese beinhalten unter anderem Rollenbilder, Wahrnehmung positiver Gefühle, Stressbewältigungsstrategien, Echo auf kindliche Signale geben oder Beruhigungstechniken. Das gemeinsame Mittagessen lässt Raum für den Austausch untereinander oder für Fragen an das Pflegepersonal.

Die videogestützte Analyse zu Beginn und am Ende der Therapie macht die Mütter oder Väter zu ihren eigenen Beobachtern: Sie werden im dafür eigens eingerichteten Spielzimmer beim Wickeln und Spielen gefilmt, wobei das Bildmaterial im Anschluss gemeinsam mit dem Bezugstherapeutenteam wertschätzend ausgewertet wird: Was wurde gut gemacht? Wie hat sich die Interaktion im Laufe der Zeit verändert? Unterstützung erhalten die Eltern ebenso bei der alltäglichen Versorgung des Kindes. Für besondere Themen wie Ernährung, Schlafhygiene aber auch Kinästhetik und Babymassage werden  gesonderte Gruppen durch die Kinderkrankenschwestern angeboten. Wenn erforderlich, finden auch Paargespräche statt. Am Ende der Therapie wird bei einem Runden Tisch erörtert, welche weiterführenden Hilfen die Familien nach dem Klinikaufenthalt unterstützen können. Zudem ist zur Gestaltung des Übergangs in den Alltag eine tagesklinische oder ambulante Phase möglich, bei der ein multiprofessionelles Team die Familie begleitet bis ein ambulanter Therapieplatz vorhanden ist. Außerdem steht die Ambulanz ebenfalls zur Diagnostik oder zur Einleitung einer Therapie ohne die Notwendigkeit eines stationären Aufenthalts zur Verfügung.