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CCSchool: Neues Versorgungskonzept für Kinder und Jugendliche

CCSchool soll sowohl die Teilhabe von Patienten und Patientinnen insbesondere in Schule und Ausbildung verbessern als auch die Lebensqualität der Betroffenen und ihren Familien steigern.

Mit dem Projekt CCSchool (Continuum of Care School) erprobt unter anderem das ZfP Südwürttemberg ein neues Versorgungskonzept für Kinder und Jugendliche. Ziel ist es, Schüler und Schülerinnen mit psychischen Auffälligkeiten früher als bisher möglich zu unterstützen, um langzeitige Therapien zu vermeiden. Der Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschusses fördert das Projekt mit 2,69 Millionen Euro bis Ende 2020.

Bisher dauert es im Durchschnitt zwei Jahre, bis Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen in die Ambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie kommen. „Zu lange“, findet PD Dr. Isabel Böge, Ärztliche Leitung der Kinder- und Jugendpsychiatrie des ZfP Südwürttemberg in Weissenau. „Unsere Hypothese ist: Je früher wir den Schülerinnen und Schülern helfen können, desto weniger Therapiemaßnahmen sind in der Folge notwendig“, erklärt Böge. Um das herauszufinden, wird bis Ende 2020 mit dem Projekt CCSchool ein neuer Therapieansatz erprobt. Dafür werden Schule, Psychiatrie und weitere Akteure wie Jugendämter und Kinderärzte stärker vernetzt, die Diagnostik und Behandlung findet aufsuchend statt, um leichter zugänglich zu sein, eine e-learning Plattform schult potentielle CCSchool-Therapeuten.

Die Versorgung besteht aus verschiedenen Bausteinen: Zunächst wird festgestellt, welches Krankheitsbild vorliegt. Böge vermutet, dass ein Großteil der Patienten, für die das Konzept von CCSchool in Frage kommt, unter ADHS, Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen leidet oder sich selbst verletzt. Ist ein entsprechendes Störungsbild vorliegend und besteht zusätzlich eine schulische Problematik, beobachten die CCSchool-Therapeuten die Betroffenen in ihrem schulischen Umfeld.  Danach folgt eine schulbasierte Behandlung. Dafür wird ein individueller Plan mit den Kindern und Jugendlichen erarbeitet: „Schüler und Therapeut schauen sich gemeinsam an, wo die Probleme liegen, was sich verändern lässt, welche Fortschritte man macht. Es wird viel mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen gearbeitet“, erläutert Böge. Auch mit den Lehrern arbeiten die Therapeuten zusammen, indem sie über Krankheiten aufklären oder Verhaltenstipps geben. Wenn erforderlich, werden auch die Eltern in die Therapie einbezogen. Die restliche Klasse bleibt außen vor, „da wir vermeiden wollen, dass die Betroffenen stigmatisiert werden.“

Zum CCSchool-Therapeut können sich Fachleute schulen lassen, die bereits mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten, wie Ärzte, Psychologen, Erzieher, Ergotherapeuten, Sozialpädagogen oder weitere soziale Berufsgruppen mit Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. In Kooperation mit der Schule sowie Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie erfahren die Betroffenen aller Schularten und Altersklassen somit umfassende und individuelle Hilfe. Dies soll sowohl die Teilhabe von Patienten und Patientinnen insbesondere in Schule und Ausbildung verbessern als auch die Lebensqualität der Betroffenen und ihren Familien steigern. 2020 werden die Ergebnisse des Projekts, an dem sich vier Regionen deutschlandweit beteiligen, ausgewertet. Stellt sich beispielsweise heraus, dass sich dadurch stationäre Aufenthalten verringern lassen, soll das Versorgungskonzept auf weitere Regionen ausgeweitet und in die Regelversorgung übernommen werden.

Weitere Informationen zum Projekt und zur Ausbildung zum CCSchool-Therapeut gibt es unter: www.ccschool.de