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Forensische Kunsttherapie zeigt Bilder

Einblicke in die „Seelengründe“ strafrechtlich untergebrachter psychisch Kranker ermöglicht die gleichnamige Ausstellung.

Einen besonderen Einblick in die Arbeit der forensischen Kunsttherapie Weissenau gewährt das ZfP Südwürttemberg: Erstmals präsentiert die Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der Öffentlichkeit Bilder von Patientinnen und Patienten. Die Ausstellung mit dem Titel „Seelengründe“ wurde nun in Weissenau eröffnet. 

Dr. Udo Frank, ärztlicher Leiter der Kliniken für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie des ZfP Südwürttemberg,  begrüßte die zahlreichen Anwesenden, die sich im Foyer des Zentralgebäudes versammelt hatten, darunter Mitarbeitende, Interessierte, Patienten und ausstellende Künstler. Einführend verwies der Klinikleiter auf die tragende Rolle, die Kunsttherapie im vielschichtigen Therapieprogramm einnimmt: „Kunsttherapie ist wichtiger Bestandteil bei der Behandlung strafrechtlich untergebrachter psychisch Kranker“. Sie ermögliche den Patienten sich nonverbal  auszudrücken und alternative Handlungsweisen zu entwickeln. „Dabei entstehen bemerkenswerte Werke, die etwas aus dem Inneren  heraustragen“, so Frank. Davon zeugt auch der Titel „Seelengründe“: Die ausgestellten Werke gewähren den Betrachtenden Einblick in das, was den einzelnen Künstler bewegt — und zeigen ihn in erster Linie als Mensch und nicht als Patient mit einer Vorgeschichte.

Stefan Schwaiger, Kunsttherapeut in der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Weissenau, begleitete und kuratierte die Ausstellung zusammen mit seiner Kollegin Sarah Teske. Er beschrieb die Werke als „erfrischend anders und untereinander kaum vergleichbar“. Deshalb seien diese auch nicht als typische Therapiebilder zu sehen. Und tatsächlich: So unterschiedlich die Motive, so unterschiedlich sind auch die verwendeten Materialien und Farben der präsentierten Bilder. Durchgängige Themen oder wiederkehrende Symbolik spiegeln sich in den Bildern nicht wider. Denn die Arbeit des Kunsttherapeuten orientiert sich weniger an einem Therapeuten-Patienten-Verhältnis und klassischen Kunsttherapiestunden:„Bei uns ist jeder Fachmann und jeder sucht sich künstlerisch seinen eigenen Weg und Ausdruck. Vorgaben oder Einschränkungen gibt es nicht“. Fördernd sei außerdem die Atmosphäre: In Kleingruppen entstehe eine Intimität, die den Patienten Vertrauen und Sicherheit biete. Das freie Miteinander schaffe Veränderungen und setze Kräfte frei, erklärte Schwaiger. So wie beispielsweise bei jenem Patienten der, anfangs skeptisch, nach dem ersten Besuch regelmäßig kam und dann künstlerisch bemerkenswerte Bilder schuf.

So sammelt sich in der forensischen Kunsttherapie über die Jahre ein wahrer Schatz an Bildern an, der normalerweise verborgen bleibt. Nur sehr selten erhält die Öffentlichkeit Einblick in die Arbeit der forensischen Kunsttherapie. Dass nun Werke von 27 verschiedenen Künstlern den Eingangsbereich des Zentralgebäudes zieren, freut Klinikleiter Dr. Udo Frank und Kunsttherapeut Stefan Schwaiger daher besonders.