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GP.rt eröffnet neue Möglichkeiten der gemeindepsychiatrischen Versorgung

Andreas Lingk, Prof. Dr. Gerhard Längle, Rainer Kluza und Dr. Dieter Grupp (v. l.n.r.) haben mit der Gründung der GP.rt ein bundesweit einmaliges Modell realisiert.

Die BruderhausDiakonie Reutlingen und das ZfP Südwürttemberg intensivieren ihre Zusammenarbeit, um psychisch kranken Menschen eine bestmögliche und am individuellen Bedarf orientierte Versorgung bieten zu können. Durch die Gründung einer weiteren gemeinsamen Tochtergesellschaft, der Gesellschaft für Gemeindepsychiatrie Reutlingen (GP.rt), wird eine enge Verbindung zwischen klinischer und außerklinischer Versorgung hergestellt.

Psychisch kranke Menschen benötigen oft Unterstützung aus verschiedenen Leistungsbereichen: zum einen eine klinische Behandlung, zum anderen Hilfeleistungen aus den Bereichen Teilhabe und Rehabilitation. Die jeweiligen Angebote werden in der Regel unabhängig voneinander vorgehalten – von verschiedenen Trägern und Einrichtungen. Um Betroffenen eine möglichst passgenaue und kontinuierliche Versorgung bieten zu können, setzen die BruderhausDiakonie und das ZfP Südwürttemberg in Reutlingen ein bundesweit einzigartiges Projekt um. „Die zwei großen Partner arbeiten noch enger zusammen und schaffen neue Versorgungsstrukturen in der Region, um ein sektorenübergreifendes Angebot zu gestalten, das sich am Bedarf der Patienten orientiert“, erklärt Andreas Lingk, Kaufmännischer Vorstand der BruderhausDiakonie.

Ein wichtiger Grundstein hierfür wurde bereits im Jahr 2000 mit der Gründung der Gemeinnützigen Gesellschaft für Psychiatrie Reutlingen (PP.rt) gelegt, welche die
klinische Versorgung psychisch Kranker in Reutlingen bündelt. Nun nehmen die BruderhausDiakonie und das ZfP Südwürttemberg zum 1. Januar 2018 eine weitere gemeinsame Tochtergesellschaft in Betrieb, die Gemeinnützige Gesellschaft für Gemeindepsychiatrie Reutlingen (GP.rt). Diese umfasst die Angebote der Sozial-psychiatrischen Hilfen Reutlingen, die bislang Teil der BruderhausDiakonie waren: ambulante und stationäre Wohnbetreuung, Hilfen zur Tagesstrukturierung, häusliche psychiatrische Pflege, Soziotherapie, medizinische Rehabilitation sowie den Sozial-psychiatrischen Dienst. „In den vergangenen Jahren zeigte sich zunehmend, dass die außerklinischen sozialpsychiatrischen Hilfen der BruderhausDiakonie in Reutlingen und die Angebote der PP.rt immer mehr Schnittstellen zueinander entwickelten. Dies machte eine intensivere Abstimmung zwischen den Muttergesellschaften ZfP und BruderhausDiakonie erforderlich“, schildert Dr. Dieter Grupp, Geschäftsführer des ZfP, die Hintergründe.

Das Besondere an diesem Konzept: Die beiden Gesellschaften werden in Personalunion geleitet. Prof. Dr. Gerhard Längle ist, neben seiner Tätigkeit im ZfP, seit vielen Jahren Geschäftsführer der PP.rt. Rainer Kluza ist bei der BruderhausDiakonie langjährig in leitenden Funktionen der Sozialpsychiatrie tätig und bildet mit Längle künftig die gemeinsame Geschäftsführung beider Gesellschaften. „Dadurch entsteht diengewünschte enge Zusammenarbeit bei der Konzeption der Angebote für hilfesuchende Klienten“, betont Pfarrer Lothar Bauer, Vorstandsvorsitzender der BruderhausDiakonie. Der Vorteil: In dieser neuen Struktur können die Abläufe im Sinne der Klientinnen und Klienten besser aufeinander abgestimmt werden. Dies ermöglicht eine kontinuierliche Begleitung und Unterstützung.

Für die Umsetzung dieses Projekts wird, ebenfalls zum 1. Januar 2018, auch die PP.rt umstrukturiert. Tageskliniken, die bislang noch vom ZfP in Reutlingen betrieben wurden, werden in die PP.rt integriert. Somit werden alle Angebote am Standort Reutlingen künftig unter einem Dach geführt. „Mit dem Tagesklinik- und Ambulanzzentrum an der Echaz, kurz EchTAZ, welches derzeit in der Lindachstraße gebaut wird und ab 2018 alle Tageskliniken und Ambulanzen unter einem Dach vereint, wird außerdem eine zentrale klinische Anlaufstelle geschaffen“, erläutert Längle. Nicht nur für Menschen in akuten Krisen, sondern auch für diejenigen mit länger andauerndem Krankheitsverlauf. „Die neue Struktur ermöglicht es uns, noch besser auf die verschiedenen und wechselnden Bedürfnisse psychisch kranker Menschen einzugehen, zum Beispiel durch flexibleren, die verschiedenen Leistungsbereiche übergreifenden Personaleinsatz“, fasst Kluza zusammen. Vor allem chronisch psychisch Kranken könne durch die enge Verzahnung besser geholfen werden. Für die Beteiligten ist das Projekt eine Herausforderung, aber auch ein Quantensprung in der Entwicklung der psychiatrischen Versorgung.