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Junge psychisch kranke Erwachsene erhalten Hilfe zu Hause

Das Team des neuen Versorgungsangebots Stationsäquivalente Behandlung für junge Erwachsene des ZfP Südwürttemberg.

WEISSENAU - Für junge Erwachsene mit psychischen Erkrankungen gibt es ein neues Angebot des ZfP: Bei der stationsäquivalenten Behandlung werden Adoleszente zwischen 17 und 21 Jahren zu Hause besucht. Das kann einen stationären Aufenthalt ersetzen.

Ab sofort erweitert das ZfP Südwürttemberg seine Versorgungsleistung um das Spezialangebot der stationsäquivalenten Behandlung (StäB) für junge Erwachsene zwischen 17 und 21 Jahren. Damit wird eine Lücke geschlossen, die dieser spezifischen Altersgruppe gerecht werden soll. „Die Adoleszenz hält eine große Dichte an Entwicklungsaufgaben bereit, in der junge Menschen viel meistern müssen“, erklärt die Psychologische Psychotherapeutin Judith Kordeuter. Dazu gehören neben den großen Themen der Persönlichkeitsreifung und Identitätsfindung beispielsweise ein Schulabschluss, die berufliche Orientierung, das Loslösen vom Elternhaus, die Verarbeitung erster Erfahrungen des Scheiterns im einen oder anderen Kontext und vieles mehr.

Kommt zu dieser Aufgabendichte noch eine psychische Erkrankung hinzu, braucht es ein Behandlungsangebot mit dem Bewusstsein für diese spezielle Lebensphase. Ein solches Angebot für Menschen in dieser Umbruchphase fehlte bislang in der Versorgungslandschaft der Region: „Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist für diese Altersspanne oft zu behütend, die Erwachsenenpsychiatrie fordert wiederum zu viel“, weiß Kordeuter aus ihrer Arbeit. Die StäB findet auf Augenhöhe statt, Betroffenen werden dabei unterstützt, Eigenverantwortung zu übernehmen.

StäB erreicht psychisch kranke Menschen, die sich einen stationären Aufenthalt aus verschiedenen Gründen nicht vorstellen können. Außerdem unterstützt sie die Adoleszenten in ihrer Lebenswirklichkeit, ohne sie durch einen Klinikaufenthalt aus ihrem Alltag zu reißen. Während einer Intensivphase von vier bis sechs Wochen finden tägliche therapeutische Kontakte zwischen einer und drei Stunden im häuslichen Umfeld bei den Patientinnen und Patienten statt. Im StäB-Team sind alle Berufsgruppen vertreten: Ärzte, Psychologen, Fachtherapeuten, Pflegekräfte bis hin zur Sozialarbeiterin. Die Angebote sind, wie der Name schon verrät, denen stationärer Behandlungen gleich. Die Sozialarbeit ist bei StäB ein besonders wichtiges Angebot: Der berufliche Werdegang ist in diesem Alter von besonderer Bedeutung, daher werden Perspektiven diesbezüglich erarbeitet, aber auch Unterstützung beim Umgang mit dem Sozial- oder Arbeitsamt angeboten. Behandelt werden alle psychischen Erkrankungen. Ausgenommen sind lediglich Patienten in Akutphasen, wenn sie beispielsweise psychotisch oder suizidal sind. In diesen Fällen wird eine stationäre Alternative angeboten.


Unterstützung durch Gleichaltrige

„Wir beobachten, dass einige junge Menschen in dieser Lebensphase des Öfteren soziale Kontakte aufgeben oder verlieren“, so Kordeuter. Daher ist die Gruppentherapie fester Bestandteil des StäB-Angebots für Adoleszente. Zweimal in der Woche treffen sich die Patientinnen und Patienten zu gemeinsamen Gesprächen. Dadurch können die Teilnehmenden sich selber wieder einordnen lernen: Sie erkennen, dass sie mit ihrer Krankheit nicht allein sind und, dass es Lösungen geben kann. Im Vergleich mit Gleichaltrigen können die jungen Erwachsenen wichtige Erfahrungen machen, wie beispielsweise „Ich habe es besser als er“ oder „Wo sie ist, will ich auch hin“. Die Gruppentherapie ist verpflichtend und das einzige Angebot, das vor Ort in Weissenau stattfindet.

Alles andere findet in einer intensiven Eins-zu-eins-Betreuung zu Hause statt. Sofern die Betroffenen noch bei ihren Eltern leben, werden die Familien, wenn gewünscht oder nötig, miteinbezogen – bei Bedarf auch das weitere soziale Umfeld. Für StäB kommen Patientinnen und Patienten in Frage, die nicht weiter als eine halbe Stunde Fahrweg vom ZfP entfernt wohnen. Um die Behandlung in Anspruch zu nehmen, sind viele Zugangswege offen: Eine Kontaktaufnahme kann direkt mit dem ZfP stattfinden, es ist aber auch möglich über die Schule, das Jugendamt oder niedergelassene Ärzte mit der psychiatrischen Klinik in Verbindung zu treten. Zunächst werden vier Plätze für StäB vorgehalten. Das in Baden-Württemberg einmalige Spezialangebot StäB für junge Erwachsene zwischen 17 und 21 Jahren soll aber erweitert werden.