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Klettern als Teil der Therapie

Die ZfP-Betriebssportgruppe „Sportklettern“ um Ulrich Dautel, Leiter der Sport- und Bewegungstherapie in Zwiefalten (Zweiter von rechts), trainiert wöchentlich an der Kletterwand in der Rentalhalle.

Seit zehn Jahren ist das therapeutische Klettern ein wichtiges Element der Sport- und Bewegungstherapie des ZfP Südwürttemberg am Standort Zwiefalten. Im Rahmen dieses Jubiläums blickten Ulrich Dautel und Prof. Dr. Gerhard Längle in der Rentalhalle auf die Eröffnung der Kletterwand zurück. Die Sport- und Bewegungstherapie gab bei der Feier Einblicke in ihre Arbeit an der Kletterwand und die ZfP-Betriebssportgruppe Sportklettern demonstrierte verschiedene Arten des Kletterns.

Prof. Dr. Gerhard Längle, Regionaldirektor Alb-Neckar, erinnerte sich in seiner Begrüßungsrede an die Anfänge der Kletterwand in der Rentalhalle zurück. Vor zehn Jahren war Zwiefalten eine der ersten akutpsychiatrischen Kliniken mit einer Kletterwand, heute sei dies in der Psychiatrie selbstverständlich. Längle lobte die Innovativität und Kreativität der Bewegungstherapeuten, die in die Planung der Wand miteingebunden waren. Ulrich Dautel, Leiter der Sport- und Bewegungstherapie in Zwiefalten, bedankte sich bei den damaligen Realisierern Längle und Dr. Manfred Schneck: „Ohne euch wäre das nicht denkbar gewesen.“ Auch für die fortwährend gute Unterstützung sprach Dautel der Geschäftsführung des ZfP seinen Dank aus. Schließlich seien die Materialien und der Unterhalt der Kletterwand relativ teuer.

„Ich sehe schon an der Kletterwand, welche Diagnose jemand hat“, hatte Längle in seiner Rede einen Therapeuten zitiert. Das Klettern sei eng in den gesamttherapeutischen Kontext eingebunden. Dautel konnte dies nur bestätigen und verdeutlichte die Wirksamkeit des Kletterns in der Therapie von psychisch Kranken. Beim Klettern geht es um Bewegung, Kraft, Koordination und Konzentration, aber auch Emotionen müssen verarbeitet werden. Die Patientinnen und Patienten machen neue Erfahrungen und erlangen unter fachkundiger Anleitung Vertrauen in die eigenen körperlichen und seelischen Fähigkeiten. Das Selbstwertgefühl wird gestärkt. Ängste, die an der elf Meter hohen Wand aufkommen, lernen die Erkrankten zu bewältigen. Durch das Klettern in der Gruppe werden psychosoziale Kompetenzen gefördert.

Seit zehn Jahren besteht am ZfP in Zwiefalten außerdem die Betriebssportgruppe „Sportklettern“. Mit dabei sind etwa zehn Mitarbeitende aus allen Bereichen des ZfP Zwiefalten. Die gemischte Gruppe um Dautel trainiert donnerstagabends an der Kletterwand in der Halle. Im Sommer geht es dann an den Fels nach draußen. Roland Kraska, Trainer beim Bundeslehrteam Sportklettern des Deutschen Alpenvereins, berät die Zwiefalter Kletterer seit Anfang und bildet sie einmal jährlich weiter. Mit der Gruppe demonstrierte Dautel verschiedene Aspekte des Kletterns wie das Bouldern oder die Toprope-Sicherung und erklärte den Anwesenden, was es beim Fallen zu beachten gilt. Einige Freiwillige versuchten sich schließlich selbst an der Kletterwand, die Therapeutinnen und Therapeuten sicherten und leiteten sie an. Musikalische Unterhaltung bot die Zwiefalter Hausband „Patchwork“. Die Jubiläumsveranstaltung fand im Rahmen der Kletterfortbildung „Therapeutisches Klettern in der Psychiatrie, Sucht und Psychosomatik“ statt.