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Klinikerin mit Leib und Seele

Dr. Bettina Jäpel möchte als Regionaldirektorin Donau-Riss einige Projekte angehen, die ihr für die Region am Herzen liegen.

Dr. Bettina Jäpel ist neue Regionaldirektorin Donau-Riss

BAD SCHUSSENRIED - Seit März dieses Jahres ist Dr. Bettina Jäpel Regionaldirektorin Donau-Riss des ZfP Südwürttemberg. Nun hat der Aufsichtsrat des ZfP ihrer Berufung zugestimmt. Was die gebürtige Bad Saulgauerin für die Region und den Standort Bad Schussenried zusammen mit ihrem dualen Partner Regionaldirektor Christoph Vieten plant, berichtet sie im Interview.

Seit wann sind Sie im ZfP Südwürttemberg beschäftigt und wo waren Sie zuvor tätig?

Den ersten Teil meiner fachärztlichen Ausbildung absolvierte ich in einer psychiatrischen Klinik in Düsseldorf. 2003 wechselte ich ins ZfP Südwürttemberg. Zunächst arbeitete ich als Assistenzärztin auf der Suchtaufnahmestation in Weissenau. Insgesamt war ich dort 10 Jahre in der Suchtabteilung tätig.

In welchen Bereichen arbeiteten Sie noch im ZfP?

In der Suchtabteilung in Weissenau habe ich folgende Stationen durchlaufen: von der Stationsleitung zur Oberärztin der Suchtaufnahmestation und der Suchttagesklinik, die ich mit aufgebaut habe. Zwei Jahre hatte ich als Geschäftsfeldsprecherin für die Suchtbereiche des ZfP Südwürttemberg eine übergeordnete, koordinierende Position inne. Dabei war ich aber immer Klinikerin mit Leib und Seele, ich war in der Suchtambulanz tätig und für suchtpsychiatrische Konsile in der OSK Ravensburg zuständig. 2014 wurde ich Chefärztin der Allgemeinpsychiatrie in Bad Schussenried und ab 2017 dort  stellvertretende Ärztliche Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Im Juli 2019 übernahm ich zunächst kommissarisch die Funktion der Ärztlichen Direktorin, dies offiziell dann im Dezember 2019. Seit Anfang des Jahres 2020 bilde ich mit Ilona Herter die Leitung der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bad Schussenried. Christoph Vieten war seit Juli 2019 alleine hier in der Regionaldirektion und unser Geschäftsführer Dr. Dieter Grupp bat mich schließlich Anfang diesen Jahres, das Amt der Regionaldirektorin mit zu übernehmen. Dem Wunsch bin ich gerne nachgekommen, da es mir Spaß macht, den Standort mitzugestalten und weiter zu entwickeln. Mit den Jahren habe ich ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zum Standort und zur Region entwickelt.

Welche Aufgaben und Zuständigkeiten haben Sie in Ihrer neuen Funktion?

Als Regionaldirektorin bin ich für vieles zuständig, jeden Tag kommen neue Aufgaben dazu. Insgesamt sind wir in der Regionaldirektion endverantwortlich für alle patienten- und bewohnerführenden Bereiche und für alles, was strukturell sowie personell damit zusammenhängt. Es sind relativ viele Personalangelegenheiten, dazu kommen Entscheidungen im Bereich des betrieblichen Wiedereingliederungsmanagements. Ich lasse den Führungskräften am Standort ihren Gestaltungsspielraum und stehe gleichzeitig nach Bedarf zur Verfügung.
Mit der Corona-Krise hatten und haben wir eine Sondersituation. Endabstimmung mit dem Krisenmanagement zwischen den Bereichen war engmaschig erforderlich und als Regionaldirektion mussten wir dafür sorgen, dass genügend Schutzausrüstung zur Verfügung steht. Neu für mich ist, dass ich nun Mitglied der Geschäftsleitung bin und die Interessen der Region in der Geschäftsleitung vertrete. Gremienarbeit gehört zur Aufgabe der Regionaldirektorin, die Vertretung nach innen und nach außen, Kooperationen beispielsweise mit der Stadt Bad Schussenried, mit Trägern in Biberach und Umgebung und mit der Polizei.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Herrn Vieten?

Die Zusammenarbeit mit Herrn Vieten passt sehr gut. Mein Schwerpunkt liegt auf der klinischen Versorgung mit dem ganzen Spektrum der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, ein Bereich, in den ich mich gut eingearbeitet habe. Herr Vieten hat mit sehr fundierten Kenntnissen seinen Schwerpunkt in der Heimversorgung. Er deckt den Bereich mit einer sehr hohen Kompetenz ab, auch mit einem Blick auf den Bereich Ambulanzen. Insgesamt ergänzen wir uns sehr gut. Anfragen kommen an uns beide und wir sprechen unsere jeweilige Zuständigkeit ab. Ich schätze es sehr, dass wir doch einiges zusammen erledigen.

Welche Projekte möchten Sie angehen?

Unser aktuell großes Projekt heißt „BiBaSchu“. Das Wort setzt sich zusammen aus Biberach und Bad Schussenried. Mit dem Klinikneubau in Biberach geht es darum, die klinische Versorgung in der Region neu zu gestalten. Was mir am Herzen liegt, ist das Thema Psychiatrie offener zu machen. Ich möchte transparent machen, wie moderne psychiatrische Versorgung funktioniert und somit weiter die Entstigmatisierung vorantreiben. Kulturelle Projekte können hier dienlich sein. Als Beispiel könnten wir den Kulturherbst weiterdenken, denkbar wären auch weitere Events auf dem Gelände, die die Bevölkerung anziehen. Ein gutes Miteinander mit der Gemeinde ist mir sehr wichtig. Ich möchte die Bedenken der Menschen ernst nehmen und in einen offenen, barrierefreien Austausch mit der Bevölkerung treten.

Wie entwickelt sich der Standort Bad Schussenried weiter?

Aktuell beschäftigt uns neben dem Großprojekt Biberach die Standortentwicklung in Bad Schussenried. Es geht darum, die Profile zu schärfen und zu überlegen: Wo gibt es Spezialkompetenzen und spezielle Angebote? Diese, wie beispielsweise die EKT-Behandlung, wollen wir ausbauen. In Planung ist außerdem, eine noch spezialisierte Depressionsstation zu etablieren. Die Abstimmung von Baumaßnahmen am Standort ist ein anstehendes Thema, wir haben hier teilweise alte Gebäude. Im Bereich Heim sind wir schon einen Schritt weiter durch den Neubau des Abt-Siard-Hauses. Aber auch da überdenken wir neue Konzepte: Wie kann Heimversorgung individueller gestaltet werden? Wie können die Ländlichkeit von Bad Schussenried sowie die Ressource Natur genutzt werden? Wichtig ist zudem, gute Bedingungen für den Maßregelvollzug zu schaffen, sowohl für die  Beschäftigten dort als auch für die Patienten. Zudem wollen wir weiterhin eine gute alters- und suchtpsychiatrische Versorgung gewährleisten.

Welche Herausforderungen ergeben sich zukünftig für die Region Donau-Riss?

Die große Herausforderung ist, die beiden großen Standorte Bad Schussenried und Biberach attraktiv und innovativ zu gestalten und Konzepte zu entwickeln, die individualisierte Patientenversorgung ermöglichen: von einer Behandlung zu Hause über eine gemeindenahe Behandlung bis hin zu einem stationären Aufenthalt. Entsprechend der verschiedenen Bedürfnisse wollen wir die Angebote auf- und ausbauen.

Zudem ist eine Herzensangelegenheit für mich die Mitarbeitergewinnung. Dies ist eine unserer größten Herausforderungen. Wir brauchen genügend gut ausgebildete und motivierte, gut bezahlte Beschäftigte. Ich möchte dazu beizutragen, dass wir weiterhin sowohl genügend engagierte Mitarbeitende finden als auch für alle schon Beschäftigten für einen attraktiven und zufriedenstellenden Berufsalltag sorgen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass sich die Rahmenbedingungen positiver entwickeln und werde hierfür auch auf politischer Ebene mitwirken und mitgestalten.