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Psychiatrie goes Gemeinde

In einer Podiumsdiskussion stellte sich Sozialminister Manne Lucha den Fragen der ZfP-Beschäftigten.

Um mit Beschäftigten der Zentren für Psychiatrie über den neuen Landespsychiatrieplan zu diskutieren, tourt Sozialminister Manne Lucha derzeit durch Baden-Württemberg. Mehr als 150 Beschäftigte des ZfP Südwürttemberg und des ZfP Reichenau wohnten der spannenden Diskussion am Standort Weissenau bei, viele weitere verfolgten den Wortwechsel per Live-Stream.

In einer 200 Seiten umfassenden Rahmenplanung zur Versorgung psychisch kranker Menschen stellt das Sozialministerium dar, wie sich die psychiatrische Versorgungslandschaft in Baden-Württemberg seit dem zuletzt im Jahr 2000 veröffentlichten Plan entwickelt hat und gibt Empfehlungen zur Umsetzung einer bedarfsgerechten Versorgung. Zahlreiche Beschäftigte der Zentren für Psychiatrie nutzten die Gelegenheit, diese Planung mit Sozialminister Manfred Lucha zu diskutieren.

Dr. Dieter Grupp, Geschäftsführer der Psychiatriezentren Südwürttemberg und Reichenau, hieß den Minister im Süden Baden-Württembergs als alten Bekannten willkommen. Lucha ist der Psychiatrie beruflich schon lange Verbunden und hat seine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger am damaligen Psychiatrischen Landeskrankenhaus Weißenau absolviert. „Nicht zuletzt deshalb finden sich viele Ziele und Visionen, die bei uns schon lange verfolgt werden, im neuen Psychiatrieplan wieder“, so Grupp.

Lucha fasste die Kernideen des Landespsychiatrieplans folgendermaßen zusammen: „Aus den Betroffenen sollen Beteiligte werden, die nicht auf ihre psychische Erkrankung reduziert werden dürfen. Sie sollen möglichst in ihrer vertrauten Lebenswelt behandelt werden.“ Dafür sein es wichtig, die Vernetzung psychiatrischer Hilfeangebote weiter voranzutreiben. „Psychiatrie goes Gemeinde“ so sein Credo. Der Landespsychiatrieplan ist nicht am grünen Ministertisch entstanden, sondern in einem trialogischen Prozess. Die Betroffenen selbst, ihre Angehörigen und die Experten aus der Praxis und dem Ministerium haben den Plan gemeinsam erarbeitet. “Sie alle haben den Psychiatrieplan konsentiert – nun möchten wir mit Ihnen diskutieren, weil wie Ihre Anmerkungen benötigen.“

In einer anschließenden Podiumsdiskussion stellte sich Lucha den Fragen von Expertinnen und Experten. Auf dem Podium vertreten waren Prof. Dr. Gerhard Längle, Leiter Zentralbereich Pflege und Medizin und Geschäftsführer PP.rt, Angela Häusling, Pflegedirektorin am ZfP in Reichenau, Dr. Helmtraud Kantor, Regionaldirektorin Donau-Riss und Ärztliche Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Carmen Kremer, Beauftragte für Chancengleichheit und Diversity im ZfP sowie Herbert Wilzek, Vorsitzender des Personalrats Bad Schussenried. Diskutiert wurde über die Zukunft der psychiatrischen Versorgung, beispielsweise über neue Angebote wie die Stationsäquivalente Behandlung oder fehlende Schutzangebote für Frauen mit psychischen Erkrankungen, die in besonders hohem Maße von Gewalt betroffen sind. Aber auch Finanzierung und Personalausstattung waren Themen.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion nutzten Mitarbeitende aus dem Publikum die Chance, ihre Fragen an Minister Lucha zu richten. Hier kam unter anderem die herausfordernde Situation in der Alterspsychiatrie zu Sprache, verbunden mit der Forderung nach mehr Betten und der Vermeidung von Doppelstrukturen. „Weisen Sie den Bedarf nach, stellen Sie Ihre Anträge und wir werden sehr lösungsorientiert darüber beraten“, versicherte Lucha. Für ihn sei die Veranstaltung der „Auftakt einer Debatte, die wir jetzt begonnen haben, und anhand derer sich die Psychiatrie weiterentwickeln wird“.