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Psychiatriegeschichte sichtbar machen

Rolf Brüggemann, Prof. Dr. Thomas Müller und Dr. Bernd Reichelt in der Ausstellung "Verortungen der Seele" im Verwaltungsbau des ZfP.

Die Ausstellung „Verortungen der Seele“ bietet eine Plattform für deutschsprachige Psychiatriemuseen. 18 Initiativen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stellen hier ihre spezifischen Zugänge der Vermittlung psychiatriehistorischer Inhalte vor.

17 Museen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz konzipierten 2018 die Ausstellung „Verortungen der Seele“ für den Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN) in Berlin. Nun ist die Ausstellung, die vom MuSeele sowie vom Württembergischen Psychiatriemuseum initial organisiert wurde, im Verwaltungsbau des ZfP Südwürttemberg am Standort Zwiefalten zu sehen. Bei der Vernissage zur Eröffnung begrüßten Prof. Dr. Thomas Müller und Dr. Bernd Reichelt seitens des Württembergischen Psychiatriemuseums.

„Die Ausstellung wurde zwar für Berlin konzipiert, aber auch so, dass sie wandern kann“, berichtete Prof. Dr. Thomas Müller den Gästen. Bis zum 29. Februar 2020 ist die Ausstellung in Zwiefalten zu sehen. Jedes Museum präsentiert ein Exponat sowie ein Poster mit Bildmaterial vom Herkunftsort und mit Informationen zum Museum selbst. „Wir wollen deutschsprachigen Museen eine Heimat geben.“, erklärte Müller. Die Ausstellung ermögliche einen Eindruck, was es im deutschsprachigen Raum für Museen gibt und mache Psychiatriegeschichte sichtbar.

Erfahrungen anderer nutzen

Dr. Bernd Reichelt stellte das Programm der Vernissage vor und richtete seinen Dank an alle Beteiligten. Man freue sich, Rolf Brüggemann als Gastredner gewonnen zu haben: „Er hat das MuSeele wesentlich mit aufgebaut.“ Schließlich kündigte Reichelt den nächsten Programmpunkt an: Die Band Feuervogel. „Eine Ohrenweide!“, scherzte der Historiker. Die Musizierenden hatten passende Lieder für die Vernissage im Repertoire: „Fragezeichen“ von Purple Schulz, „Selig sind die Verrückten“ von Reinhard Mey und „Hanna“, ein Lied aus den 80er Jahren, das sich kritisch mit Psychiatrie auseinandersetzt.

Der Regionaldirektor Alb-Neckar des ZfP Südwürttemberg, Dieter Haug, zeigte sich bei seiner Rede angetan von den, der Ausstellung vorausgehenden Recherchen Brüggemanns über Psychiatriemuseen in Europa. Brüggemann habe etwas von anderen Museen lernen wollen. „Es ist wichtig, dass wir die Erfahrungen von anderen für uns nutzen, auch im Hinblick auf den Umgang mit Geschichte“, so Haug. Mit der neuen Ausstellung im ZfP öffne man sich dafür.

Die Seele auf dem Stuhl

Rolf Brüggemann, einer der Gründerväter des Psychiatriemuseums MuSeele am Christophsbad in Göppingen, ging zunächst auf die Beziehung zwischen dem MuSeele und dem Württembergischen Psychiatriemuseum ein. So sei von Anfang an eine Freundschaft entstanden: „Die gemeinsamen Ideen und der Austausch waren etwas ganz Besonderes.“ Anschließend stellte der Dipl.-Psychologe die Ausstellung „Die Seele auf dem Stuhl“ vor, die derzeit im MuSeele zu sehen ist. Inspiriert sei diese durch die Tagung „Materielle Kulturen der Psychiatrie“ im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und durch die Ausstellung „Stühle der Macht“ im Vita Design Museum in Weil am Rhein. Der Stuhl sei das häufigste und variantenreichste Möbelstück. Im Klinikum Christophsbad befänden sich weit mehr als 4000 Stühle. Brüggemann verdeutlichte den Gästen die Bedeutung der Sitzordnung unter anderem dadurch, dass er vor Beginn der Vernissage die Stühle umstellte. Alle Stühle der hinterste Reihe hatte er umgedreht – Wie erwartet, setzte sich daher kein Gast in diese Reihe. Ein paar Stühle hatte Brüggemann näher aneinandergerückt. Dies wurde von den Gästen schnell korrigiert.

„Möbel haben Auswirkungen auf das seelische Befinden. Und Stühle sagen etwas über eine Psychiatriekultur aus“, war sich Brüggemann sicher. Um zu verdeutlichen, dass es Stühle mit unterschiedlichen Hierarchien und Intentionen gibt, zeigte er zwei kurze Sequenzen aus dem Film „Einer flog über das Kuckucksnest“. Zu sehen war unter anderem ein „Chefsessel“ oder „Gruppentherapiestühle“ in einer runden Sitzordnung. Abschließend stellte Brüggemann fest: „Wir können auf Stühle nicht verzichten. Sie bestimmen das Setting.“ Jedoch dürfe das Mobiliar die „Sesshaftigkeit“ nicht zu sehr fördern - getreu des Grundsatzes der modernen Psychiatrie „ambulant vor stationär“. Der Psychologe führte mit einem Augenzwinkern hinzu: „Denn ambulant heißt auch gehen.“

Die Ausstellung „Verortungen der Selle“ ist bis zum 29. Februar 2020 täglich von 9 – 17 Uhr im Verwaltungsgebäude des ZfP Südwürttemberg, Hauptstraße 9, Zwiefalten, zu sehen. Der Eintritt ist frei.