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Risiko Neue Medien?

Mark Hills und Manuel Hofherr landeten mit ihrem Konzept „Umgang mit Smartphones und neuen Medien im Stationsalltag“ auf dem ersten Platz beim diesjährigen Pflege- und Erziehungspreis.

Die Jugend- und Heimerzieher Mark Hills und Manuel Hofherr entwickelten ein Konzept, das Jugendliche für die Risiken der Neuen Medien sensibilisiert. Dafür wurden Sie nun mit einem Preis ausgezeichnet.

Eigentlich sind Smartphones im Stationsalltag für Patientinnen und Patienten unter 18 Jahren verboten. Damit wird vermieden, dass Videos oder Fotos von anderen Betroffenen, Pflegekräften oder Therapeuten im Netz landen und so deren Privatsphäre verletzt wird. Warum es jetzt doch erlauben? Mark Hills und Manuel Hofherr, beide Jugend- und Heimerzieher sowie Erlebnispädagogen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des ZfP Südwürttemberg in Weissenau, erklären: „Neue Medien sind fester Bestandteil im Alltag der Jugendlichen. Dadurch können sie mit Familie und Freunden während der Zeit des Klinikaufenthalts in Kontakt bleiben. Außerdem betreuen wir hier einige Kinder, weil sie Opfer von Cybermobbing oder Cybergrooming wurden.“ Das Smartphone zu verbieten ist also weder zeitgemäß noch sinnvoll: „Wieso sollten wir während des Aufenthalts das ausschließen, was ein Teil des Problems ist?“

Die beiden Erzieher haben daher für ihre Station ein Konzept erarbeitet, das die Mädchen und Jungen im Alter von 13 bis 15 Jahren für den Umgang mit dem Smartphone schult. Wer sein Smartphone nutzen möchte, was täglich zwischen 17.30 und 20.30 Uhr erlaubt ist, muss an dem Angebot zur Medienkompetenz teilnehmen. Außerdem müssen sie und ihre Erziehungsberechtigten einen Vertrag unterschreiben, in dem die Nutzungsbedingungen erläutert werden und wie diese bei Verstößen angepasst werden. Es ist  beispielsweise nicht erlaubt Bild- oder Tonaufnahmen von anderen zu machen oder sein Smartphone an Dritte weiterzugeben. Das Medienkompetenztraining findet alle zwei Wochen statt und besteht aus verschiedenen Modulen: So setzen sich die Jugendlichen mit Themen auseinander wie Cybermobbing, Cybergrooming, Datenschutz, Drittanbietersperre oder Legalität und Illegalität im Internet. „Viele gehen sehr unbedarft mit Onlineangeboten um, geben zu viel von sich preis oder schützen ihre Daten nicht. Dafür wollen wir sensibilisieren. Auf der anderen Seite wollen wir vermitteln, dass sie sich frühzeitig jemandem anvertrauen, wenn sie Opfer von Cybermobbing oder-grooming werden.“ Ferner geht es darum, wie Beweise gesichert oder Anzeigen erstattet werden.

Für das Konzept gewannen Hills und Hofherr den diesjährigen Pflege- und Erziehungspreis der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Leitender Mitarbeitenden des Pflege- und Erziehungsdiensts kinder- und jugendpsychiatrischer Kliniken und Abteilungen. Damit haben sie einen Nerv getroffen: Bei der nächsten Fachtagung der BAG ist ein Workshop zum Thema geplant. Auch bei der Weiterbildung zur Fachkraft für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Stuttgart wird ein eintägiger Workshop zum Thema von Hofherr und Hills integriert. Zudem zeigen viele Kliniken Interesse an dem Konzept und wollen es in ihr Therapieangebot aufnehmen. Auch Schulen sind darauf aufmerksam geworden und wollen sich weiter informieren.

2014 auf dem Teamtag der Station 2082 haben Hofherr und Hills den Auftrag bekommen, ein Konzept für den Umgang mit Smartphones zu entwickeln und einzuführen. In der Folge haben sich die beiden zum Comp@ss-Trainer in München weitergebildet und ein Konzept ausgearbeitet. Vor drei Jahren wurde dies auf der Station eingeführt und seither laufend weiterentwickelt sowie Module ausgebaut. Die anfänglichen Bedenken der Mitarbeitenden, dass unerlaubte Videos oder Bilder hochgeladen und geteilt werden, hat sich nicht bestätigt. Ebenso wenig, dass die Patientinnen und Patienten nur noch an ihren Smartphones sitzen. „Smartphones in dem vorgegebenen Rahmen zu erlauben, war ein richtiger und guter Schritt für unsere Station“, sind sich die beiden Erzieher einig. „Wir holen die Patientinnen und Jugendlichen da ab, wo sie sind. Und das Smartphone gehört zu ihrem Lebensalltag“, machen sie deutlich. Durch die Beziehungsarbeit herrscht eine vertrauensvolle Atmosphäre. Daher sind die Jugendlichen den Pflegenden gegenüber offen, auch was ihre Smartphoneaktivität betrifft.