Picture

Schmidt-Michel erhält Bundesverdienstkreuz

Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha überreichte Prof. Dr. Paul-Otto Schmidt-Michel das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (v.l.)

Prof. Dr. Paul-Otto Schmidt-Michel gilt als Pionier moderner Sozialpsychiatrie und Initiator wegweisender Psychiatrie-Reformen. Nun wurde dem langjährigen Ärztlichen Direktor des ZfP Südwürttemberg das Verdienstkreuz verliehen.

Er hat die Psychiatrielandschaft maßgeblich mitgestaltet, sich stets für die Belange und die Teilhabe von Menschen mit psychischen Erkrankungen eingesetzt, sodass viele Betroffene heute ein menschenwürdiges, selbstbestimmtes Leben führen können. Für sein jahrzehntelanges außergewöhnliches Engagement wurde Prof. Dr. Paul-Otto Schmidt-Michel nun das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Dieses überreichte Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha vergangene Woche bei der Feierstunde im Landratsamt des Bodenseekreises in Friedrichshafen. „Paul-Otto Schmidt-Michel kämpfte hartnäckig und erfolgreich gegen die inakzeptablen, oft menschenverachtenden Verhältnisse in den damaligen psychiatrischen Anstalten, gegen die Abschottung und Stigmatisierung und für die Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen in die Mitte unserer Gesellschaft. Er hat ein ganz wesentliches Stück Psychiatriegeschichte in Deutschland mitgeschrieben und sich um unser Land verdient gemacht“, so der Minister.

30 Jahre lang war Prof. Dr. Paul-Otto Schmidt-Michel in unterschiedlichsten Funktionen im ZfP Südwürttemberg tätig. Der langjährige Ärztliche Direktor und Leiter der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie verabschiedete sich 2014 in den Ruhestand. Bei der Feierlichkeit in Friedrichshafen sprach ihm ZfP-Geschäftsführer Dr. Dieter Grupp seine Anerkennung aus: „Das Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg ist stolz darauf, dass einer der Unseren – unser langjähriger Ärztlicher Direktor – von der Bundesrepublik Deutschland heute für seine Verdienste, für sein Lebenswerk gewürdigt wird und mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wird.“ Schmidt-Michel habe das Verdienstkreuz verdient wie nur wenige andere: „Du hast unendlich viel Leid verhindert, viele Schicksale verändert [...]. Dass wir heute gemeinsam die Ideen und Ideale der Sozialpsychiatrie von 1975 umsetzen beziehungsweise umgesetzt haben, hat viel mit dir als Person zu tun. [...] Du hast die Sozialpsychiatrie in unseren Köpfen verankert und sehr authentisch die dahinterstehenden Ideale und Ideen verkörpert und umgesetzt.“

Schon in seinen frühen Berufsjahren stellte Schmidt-Michel immer wieder fest, dass Patient*innen länger stationär behandelt werden mussten, weil geeignete Angebote wie Tagesstätten, Betreute Wohnangebote oder Krisendienste fehlten. Psychisch Erkrankte sollten seiner Meinung nach als vollwertige Menschen mit allen Rechten und Pflichten betrachtet werden. Seit den 1980er Jahren engagierte sich Schmidt-Michel deshalb im sozialpsychiatrischen Hilfsverein Arkade im Landkreis Ravensburg und war Anfang der 1990er Mitbegründer der Pauline 13, das Pendant für den Bodenseekreis. Ziel war es, außerhalb des Kliniksystems Strukturen zu schaffen, in die psychisch Kranke entlassen werden konnten.

Auch innerhalb des ZfP Südwürttemberg verfolgte er konsequent den Ausbau einer gemeindenahen Psychiatrie. Er trieb die Einführung der Psychiatrischen Institutsambulanzen voran, engagierte sich in Wangen für die landesweit erste Satellitenstation und eine weitere am Klinikum Friedrichshafen und etablierte einen ambulanten Krisendienst. Neben seinen zahlreichen Projekten in der Region gestaltete Schmidt-Michel Psychiatrie auch auf Bundesebene mit. Als Vorstand der Aktion Psychisch Kranke wurde er von Entscheidungsträgern der Politik gehört und anerkannt.

Schmidt-Michels Herzensprojekt war die Wiedereinführung der psychiatrischen Familienpflege in Deutschland, die im 19. Jahrhundert unter Psychiatern diskutiert worden, doch dann weitgehend in Vergessenheit geraten war. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen gründete er zudem den Verein Beclean, der seitdem für bessere Bedingungen für psychisch Kranke in Rumänien kämpft. Ein weiterer entscheidender Schritt für den 2006 zum Ärztlichen Direktor ernannten Sozialpsychiater war die Auseinandersetzung mit dem Schicksal der von den Nationalsozialisten ermordeten Weissenauer Patient*innen. So setzte er sich mit für das Denkmal der Grauen Busse ein, heute ein Kernsymbol des Gedenkens an die Ermordung psychisch Kranker.

„Vor allem in Zeiten wie diesen, in denen Rassismus, Antisemitismus, Rechtsextremismus, Hass und Hetze leider wieder zunehmen und unsere Gesellschaft von innen bedrohen, brauchen wir engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich unerschrocken und mit offenem Visier für Offenheit und Demokratie, für Vielfalt und Toleranz einsetzen. Für sein vorbildliches Engagement danke ich Professor Paul-Otto Schmidt-Michel im Namen der gesamten Landesregierung sehr herzlich. Sein vorbildhafter Einsatz und seine gelebte Mitmenschlichkeit verdienen unser aller Respekt“, so Minister Lucha abschließend.

Quelle/Foto: Ministerium für Soziales und Integration/ Landratsamt Bodenseekreis