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„Stimmen, einstimmen, übereinstimmen“

Die Musiktherapeutinnen und -therapeuten mit Prof. Dr. Gerhard Längle und Barbara Keppler (obere Reihe v.r.n.l.).

Das Prasseln eines Regenmachers, dumpfe Bässe von Trommeln und melodischer Gesang vermischen sich zu einem Ganzen: Wenn Musiktherapeuten und -therapeutinnen tagen, erfolgt der Austausch nicht nur mit gesprochenen Worten.

Die Musiktherapeutinnen und -therapeuten der einzelnen Standorte des ZfP Südwürttemberg sowie der PP.rt hielten ihre alljährliche Tagung dieses Mal im ZfP in Zwiefalten ab. Friedemann Burgdörfer und Ramona Hornung, Musiktherapeuten am Standort Zwiefalten, begrüßten die Gäste in ihren Räumlichkeiten. Alle Instrumente standen an den Wänden des hellen Kellerraumes, die Tagungsteilnehmenden saßen mittendrin in einem Stuhlkreis. Zunächst stellte sich Barbara Keppler, Assistentin der Regionaldirektion Alb-Neckar sowie des Zentralbereichs Pflege und Medizin, vor. Keppler wird die Arbeit der Musiktherapeutinnen und -therapeuten künftig unterstützen und koordinieren.

Anschließend informierten alle Teilnehmenden über wichtige Themen aus ihrem Haus. Dabei kamen sie auf positive Begebenheiten, wie gelungene Teamarbeit, eine bessere Arbeitsatmosphäre durch einen neuen Chefarzt oder gute Rahmenbedingungen zu sprechen. Aber auch einige Herausforderungen wurden genannt. Die Kündigung einer Kollegin, der Wasserschaden im Therapieraum oder schwer zu bewältigende Krankheits- und Urlaubsvertretungsregelungen. Einige Themen wurden direkt diskutiert und führten schließlich zu einer Grundsatzfrage: Welchen Rahmen braucht es, damit wir gute Arbeit leisten können?

Schriftlicher Rahmen für gute Arbeit

In einem Leitfaden soll ebendieser Rahmen künftig beschrieben werden: Was ist Musiktherapie? Welche Patientinnen und Patienten eignen sich für diese Therapieform? Welche Räumlichkeiten und Ausstattung wird benötigt? In den letzten Jahren trugen die Musiktherapeutinnen und -therapeuten bereits einige Inhalte zusammen, die nun mit dem Leitfaden zu einem abgestimmten Grundkonzept zusammengefasst werden sollen.

Regionaldirektor Alb-Neckar und Zentralbereichsleiter Pflege und Medizin im ZfP Südwürttemberg Prof. Dr. Gerhard Längle kam am Mittag zu der Tagung hinzu. Ihm liege viel daran, zu unterstützten: „Ich habe die Kreativtherapie sozusagen adoptiert.“ Aus diesem Grund verdeutlichte er: „Es gibt wenig wissenschaftliche Beiträge zur Musiktherapie. Deshalb müssen wir Ihre Expertise nach außen deutlich machen.“ Die Entwicklung eines Leitfadens sei ein wichtiger erster Schritt, die Stellung der Musiktherapie weiter zu festigen. Am Nachmittag arbeiteten die Therapeutinnen und Therapeuten dann weiter an der Erstellung des Leitfadens.

„Das Instrument, das wir sind“

Zwei Zeitungsartikel gab Längle in die Runde – von 1972 und 1979. „Musik heilt psychisch Kranke“ und „Musik wirkt wie Medizin“ lauteten die Überschriften. Beschrieben waren die Meilensteine der Musiktherapie: Walter Klaiber nahm 1965 als einer der ersten Musikpädagogen in einem psychiatrischen Krankenhaus, im Psychiatrischen Landeskrankenhaus Winnenden, seine Arbeit auf. 1979 genehmigte Baden-Württemberg schließlich als erstes Bundesland einen Studiengang für Musiktherapie.

Eines durfte bei einer Musiktherapietagung nicht fehlen: Die Improvisation. So gingen die Teilnehmenden gemeinsam in den zweiten Musikraum der Klinik. Ohne sich abzusprechen, begannen sie zu musizieren. Während sich ein paar Therapeutinnen und Therapeuten direkt ein Instrument griffen, warteten andere zunächst ab und lauschten den ersten Klängen, um später mit einzusteigen. Fast alle Instrumente wurden genutzt: Über das Schlagzeug, die Trommeln, dem Klavier, den Xylophonen hin zur eigenen Stimme. Alle Klänge vermischten sich zu einer orientalisch anmutenden, scheinbar einstudierten Melodie. Schließlich gab Friedemann Burgdörfer ein Zeichen und die Klänge verstummten. Stille. „Durch die Musik fühle ich mich frei“, kommentierte eine der Therapeutinnen. Auch die anderen teilten ihre Gedanken mit: „Das Instrument, das wir sind“, „stimmen, einstimmen, übereinstimmen“ oder „pulsierender Rhythmus, pulsierende Gemeinschaft“. Später erklärte Ramona Hornung: „Mit der Improvisation verleihen wir dem Ausdruck, was da ist.“ Der Einzelne werde gehört, aber auch der Zusammenklang – also die Gruppe, ihr Zusammenhalt und ihre Stärke.