Picture

ZfP mit historischem Beitrag in international führender Psychiatrie-Fachzeitschrift

Das Denkmal der Grauen Busse erinnert an die Deportation psychisch kranker Menschen im Zuge der sogenannten „Euthanasie-Aktion“ während des NS-Regimes.

Das ZfP Südwürttemberg ist im aktuellen Heft des Lancet Psychiatry mit einem Beitrag zur Erinnerungskultur vertreten. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das Denkmal der Grauen Busse.

Dass Schwertransporte mit dem Ravensburger Denkmal der grauen Busse seit Jahren an viele Orte durch die Republik rollen, ist vielleicht die greifbarste und öffentlichkeitswirksamste Form überhaupt, die die historische Aufarbeitung der „Euthanasie“ im Nationalsozialismus in Deutschland gefunden hat. Dass diese von dieser Region ausgehenden Aktivitäten jetzt nicht mehr nur regional und national registriert werden, sondern mittels einer Essay-Publikation von Prof. Dr. Thomas Müller, Leiter des Forschungsbereichs „Geschichte und Ethik in der Medizin“ des ZfP Südwürttemberg, auch in der internationalen Literatur an sehr prominenter Stelle erscheinen, entspricht ihrer Bedeutung. Der Beitrag mit dem Titel „Remembering psychiatric patients murdered by the Nazi regime in Germany“ erschien im aktuellen Heft einer der international führenden Zeitschriften der Psychiatrie – dem Lancet Psychiatry.

Hier wird seitens des angelsächsischen Auslands wertgeschätzt und beachtet, dass seit vielen Jahren wirklich bemerkenswerte und nachhaltige Beiträge für die Gedenkkultur und den Umgang mit den Opfern des Naziregimes im ZfP Südwürttemberg und seinen Standorten Weissenau, Bad Schussenried und Zwiefalten geleistet werden. Stichworte sind die in vorbildlicher Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Ravensburg geplanten, programmatisch alljährlich erneuerten Gedenktage, ein medizinhistorischer Forschungsbereich, intensive Arbeit mit Schülern und Schülerinnen beispielsweise aus Ravensburger Schulen, Museumsstandorte in Zwiefalten und – mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg – in Bad Schussenried, auch Wanderausstellungen u.a.m.

Eine große Zahl Beschäftigter der ZfP-Häuser hat in diesem Zusammenhang seit mehr als vier Jahrzehnten ein bemerkenswertes und in jeder Hinsicht positiv zu würdigendes Engagement gezeigt: Beginnend mit dem jüngst seitens der Stadt Ravensburg gewürdigten Prof. Dr. Günter Hole und seiner bewundernswert introspektiven Studie zum Fanatismus, über die Monographie von Prof. Dr. Tilman Steinert zur NS-Geschichte des Psychiatrischen Krankenhauses in Weissenau, den Publikationen und der Kontaktarbeit mit Angehörigen von NS-Opfern durch Dr. Manfred Kretschmer bis zu Prof. Dr. Paul-Otto Schmidt-Michels erfolgreichen Bemühungen – zusammen mit den Vertretern der Stadt – um einen angemessenen Gedenkprozess in Bezug auf die NS-Zeit, dessen Teil das eingangs genannte Denkmal ist.