Verschiedene Zeitschriften und Flyer liegen auf einer Bank.

Presse-
mitteilungen /

Pressemitteilungen /

8. Südwestdeutsche StäB-Tagung in Reutlingen /

Ein Mann steht in einer Veranstaltungshalle auf einem Podium, vor ihm sitzen zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer, auf einer Leinwand hinter ihm ist das Tagungsprogramm zu sehen.

Prof. Dr. Gerhard Längle begrüßte die 140 Tagungsteilnehmenden und referierte zum Stand der Dinge in der Versorgungsform StäB.

Wo steht das Konzept Stationsäquivalente Behandlung heute und wohin geht die Reise künftig? Unter dem Titel „StäB weiterentwickeln: Bewährtes neu denken“ fand in Reutlingen die 8. Südwestdeutsche StäB-Tagung statt.

Bereits zum achten Mal luden das ZfP Südwürttemberg und die Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik in Reutlingen (PP.rt) zu der Fachtagung ein. Rund 140 Interessierte waren ins Tagesklinik- und Ambulanzzentrum an der Echaz (EchTAZ) gekommen, um sich zu aktuellen Fragestellungen rund um die Stationsäquivalente Behandlung (StäB) auszutauschen. Prof. Dr. Gerhard Längle, Geschäftsführer der PP.rt und Stellvertretender Geschäftsführer des ZfP Südwürttemberg, stellte fest: „Es gibt viel Positives und Gutes – Schwerpunkt der Versorgung via StäB bleibt Baden-Württemberg, in Hessen ist die Angebotslage sehr gut und Nordrhein-Westfalen holt auf. Und gerade in der Kinder- und Jugendpsychiatrie tut sich einiges. Außerdem gibt es einige Kliniken, die diese Versorgungsform vorbereiten.“ Für diese „Neu-Starter“ gebe es gute Neuigkeiten: „Der dreimonatige Karenzzeitraum ohne Vergütungsanspruch wurde abgeschafft.“

Gleichzeitig gebe es bundesweit immer noch weiße Flecken und die Kostenträger würden mit immer neuen Hürden die Entwicklung bremsen. Längle: „Dies ist ausgesprochen ärgerlich und widerspricht dem klaren Willen des Gesetzgebers.“ Den Auftakt für das von Ralf Aßfalg, Pflegedirektor der Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik Alb-Neckar, moderierte Vortragsprogramm machte anschließend Martin Holzke. Der Regionaldirektor Ravensburg-Bodensee im ZfP Südwürttemberg stellte Überlegungen vor, wonach die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit, kurz ICF, eine gute Grundlage für StäB im Sinne einer gemeinsamen Sprache darstellen könnte.

Holzke sagte: „Patientinnen und Patienten bekommen in den unterschiedlichen Versorgungssystemen oft die gleichen Fragen gestellt - von anderen Personen in den jeweiligen Systemsprachen.“ Dies führe zu Frust und Verunsicherung der Patient:innen, weil es ihren individuellen Genesungsweg behindern könne. Diagnosen seien in der Regel gut dokumentiert, nicht jedoch die Therapieziel-Planung. „Es bedarf einer gemeinsamen Sprache, die rechtskreisübergreifend und personenunabhängig funktioniert – insofern könnte die ICF als strukturelle Brücke eine echte Entwicklungschance darstellen.“

Psychologin Monika Stöhr vom ZfP-Standort Wangen und der Ärztliche Direktor der PP.rt Dr. Frank Schwärzler stellten anschließend ihre Prämissen für eine gelingende Angehörigenarbeit innerhalb StäB vor und verglichen dabei den trialogischen mit dem systemischen Ansatz. Ihr Fazit lautete: „Angehörigenarbeit ist kein Selbstläufer, sie kostet alle Beteiligten Zeit und Anstrengung und muss deshalb als Haltung und Methode kultiviert werden. Trialog und Systemik haben dabei beide ihre Berechtigung und können auch gut gemeinsam zur Anwendung kommen.“

Svenja Raschmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Assistentin der Regionaldirektion Alb-Neckar, befasste sich in ihrem Beitrag dann mit Instrumenten der Erfolgsmessung in der StäB. Anhand von Beispielen aus der AKtiV-Studie (Aufsuchende Krisenbehandlung mit teambasierter und integrierter Versorgung) attestierte sie, dass es nicht das eine Maß beziehungsweise den einen Fragebogen dafür gebe, sondern dass eine Kombination von Instrumenten erforderlich sei.

Dr. Hubertus Friederich, Ärztlicher Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik Alb-Neckar, und Leonie Bauer, Psychologische Psychotherapeutin an der PP.rt, stellten das Konzept der videogestützten Gruppenpsychotherapie vor. Ihrer Analyse nach stellt diese eine gut zu organisierende und in den Arbeitsalltag zu integrierende Ergänzung zum persönlichen Kontakt mit den Patientinnen und Patienten dar, bringe aber auch Nachteile mit sich: „Nonverbale Signale sind nur eingeschränkt wahrzunehmen und erlebnisorientierte Ansätze wie etwa Rollenspiele sind schwieriger umzusetzen. Außerdem erfordert sie klare Rahmenbedingungen und eine aktivere Moderation. Gleichwohl sind auch im Videokontext zentrale Wirkfaktoren und Symptomverbesserungen erreichbar.“

Dr. Stefan Spannhorst vom Zentrum für Seelische Gesundheit am Klinikum Stuttgart und Esmer Hajiyeva, Oberärztin der Alterspsychiatrie an der PP.rt, blickten auf acht Jahre gerontopsychiatrische StäB zurück. Spannhorst bilanzierte: „Die Behandlung insbesondere gerontopsychiatrischer Patientinnen und Patienten im Wohnumfeld ist, wo immer möglich, der stationären Behandlung vorzuziehen. Limitierend und Behandlungsabbrüche fördernd sind vor allem somatische Komplikationen sowie eine unerwartete beziehungsweise sich erst im Behandlungsverlauf entwickelnde Symptomschwere.“ Hajiyeva betonte die Notwendigkeit von passgenauen Angeboten und verglich StäB mit aufsuchenden Angeboten von Psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA): „Nicht die Struktur ist entscheidend, sondern die Passung – StäB ermöglicht eine intensive Behandlung bei hoher Akuität, aufsuchende PIA sichert Kontinuität und Stabilisierung im Verlauf.“

Zu jedem Themenblock fanden am Nachmittag vertiefende Workshops statt, die Raum für Erfahrungsaustausch und Diskussion boten. Ein zusätzlicher Workshop befasste sich mit dem Thema Familien-StäB: Anhand von zwei Fallvignetten gingen die Teilnehmenden der Frage nach, wie ein solches Angebot ausgestaltet sein müsste, um jedem Familienmitglied eine individuelle, bedarfsgerechte Unterstützung zu ermöglichen.




Unsere Publikationen /