
Verantwortung /
Psychisch Kranke im Nationalsozialismus /
Der sogenannten „Euthanasie-Aktion“ fielen während des Zweiten Weltkriegs rund 300.000 psychisch Kranke und Behinderte zum Opfer. Sie galten als „lebensunwert“. Allein in den staatlichen Heilanstalten starben während des Nationalsozialismus bis Kriegsende mindestens 90.000 Patientinnen und Patienten durch Hunger und schlechte Versorgung oder sie wurden mit Medikamenten ermordet. Mehr als 70.000 Männer, Frauen und Kinder wurden in sechs Vernichtungsanstalten vergast.
In der Tiergartenstraße Nr. 4 in Berlin wurde der Massenmord zentral organisiert, daher ist die Aktion auch unter der Abkürzung „T4“ bekannt. In Grafeneck bei Münsingen, der ersten von sechs dieser Anstalten, kamen 10.654 Menschen ums Leben. Das Personal dieser Tötungsanstalt arbeitete später in den Vernichtungslagern von Auschwitz, Treblinka, Sobibor und Belcek.
Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus /
Seit 1996 ist der 27. Januar der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, an dem bundesweit an die Geschehnisse der damaligen Zeit erinnert wird. Auch das ZfP Südwürttemberg veranstaltet jährlich Gedenkfeiern an den Standorten Weissenau und Zwiefalten, insbesondere um an die zahlreichen psychisch kranken und geistig behinderten Menschen zu erinnern, die im Rahmen der nationalsozialistischen „Euthanasie“ ermordet wurden.
Das Denkmal der Grauen Busse /
Aus der Heilanstalt Weissenau wurden 1940/41 in elf Omnibustransporten 691 Patientinnen und Patienten nach Grafeneck deportiert. Zurück kamen lediglich ihre Kleider. Das „Denkmal der Grauen Busse“, von dem es zwei identische Versionen gibt, erinnert an die Tötungsaktion der Nationalsozialisten. Fester Standort des ersten Denkmalbusses ist die ehemalige Pforte auf dem Gelände des ZfP Südwürttemberg am Standort Weissenau. Der zweite versetzbare Bus wurde bereits an vielen Orten in Deutschland aufgestellt. Als mobiles Denkmal trägt er die Erinnerung auch in andere Regionen, in denen ebenfalls Todestransporte stattfanden. Am 27. Januar 2025 ist das Denkmal vom Hugenottenplatz im fränkischen Erlangen in die Kulturhauptstadt Chemnitz weitergewandert.
Psychiatriegeschichte erleben /
Interessieren Sie sich für Psychiatriegeschichte? Das Württembergische Psychiatriemuseum in Zwiefalten informiert mit zahlreichen Exponaten und Wechselausstellungen über die Historie der Psychiatrie. Hier gelangen Sie zur Website des Württembergischen Psychiatriemuseums.
Erinnerungskultur lebendig gestalten
Theaterstück „LEUBE - Eine Frage des Gewissens“ /
Wie handeln Menschen angesichts von Unrecht? Wann wird Schweigen zur Mitschuld? Und was können wir aus der Vergangenheit für unsere Gegenwart lernen? Mit dem Theaterstück „LEUBE – Eine Frage des Gewissens“ setzt sich die Landesamateuertheatergruppe des ZfP Südwürttemberg mit einem dunklen Kapitel der Psychiatriegeschichte auseinander. Die Inszenierung erinnert an die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen und macht deutlich, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen und Haltung zu zeigen – damals wie heute.
Im Mittelpunkt steht der evangelische Pfarrer Karl Leube, der während der NS-Zeit in der Heil- und Pflegeanstalt Schussenried tätig war. Er wurde Zeuge, wie 1940 psychisch kranke und behinderte Menschen mit den sogenannten „Grauen Bussen“ in die Tötungsanstalt Grafeneck deportiert und dort ermordet wurden. Insgesamt fielen 620 Menschen aus der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Schussenried der nationalsozialistischen Krankenmordaktion zum Opfer. Auf Grundlage historischer Aufzeichnungen und persönlicher Berichte Leubes erzählt das Stück von Gewissenskonflikten, Verantwortung und den Handlungsspielräumen des Einzelnen. Es stellt Fragen, die bis heute nichts an Aktualität verloren haben: Wie entsteht Ausgrenzung? Was bedeutet Zivilcourage? Und welche Verantwortung trägt jeder Mensch, wenn andere diskriminiert, entrechtet oder bedroht werden?
Das Theaterstück verbindet historische Aufarbeitung mit einer klaren gesellschaftlichen Botschaft. Es gibt den Opfern eine Stimme, macht die Mechanismen von Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit sichtbar und regt dazu an, das eigene Handeln kritisch zu hinterfragen. Gerade angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen ist diese Auseinandersetzung von besonderer Bedeutung. Die Inszenierung versteht sich deshalb nicht nur als Beitrag zur Erinnerungskultur, sondern auch als Plädoyer für Demokratie, Mitmenschlichkeit und eine Gesellschaft, die sich entschieden gegen Diskriminierung stellt.
Verfasst und inszeniert wurde „LEUBE – Eine Frage des Gewissens“ von Theaterpädagoge Alexander Marx-Pabst. Für die Entwicklung des Stücks stand er in engem Austausch mit Beate Walaschek-Leube, der Enkelin Karl Leubes, die ihm persönliche Aufzeichnungen ihres Großvaters zur Verfügung stellte. Auf der Bühne stehen Mitarbeitende sowie Patientinnen und Patienten des ZfP Südwürttemberg. Die musikalische Gestaltung übernimmt Musiktherapeut Heiko Grom.
Buchungsanfragen und weitere Informationen:
Das Theaterstück kann auch für externe Veranstaltungen gebucht werden. Es eignet sich insbesondere für Gedenkveranstaltungen, Bildungsangebote und Veranstaltungen zur Demokratiebildung sowie zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus. Anfragen an:
Alexander Marx-Pabst, Theaterpädagoge (BuT)
ZfP Südwürttemberg
Pfarrer-Leube-Str. 29
88427 Bad Schussenried
Telefon 07583 33-1456
alexander.marx-pabst@zfp-zentrum.de
Theaterstück „T4. Ophelias Garten“ /
Der italienische Bühnenautor Pietro Floridia hat die Ermordung der psychisch Kranken und geistig Behinderten zum Thema seines Dramas „T4. Ophelias Garten“ gemacht. Es erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zweier Frauen: der Krankenschwester Gertrud und der „andersartigen“ Ophelia. Das ZfP Südwürttemberg hat das Theaterstück eigens für den Gedenktag 2021 und für die Verwendung im Schulunterricht aufzeichnen lassen. Dies gelang nur dank des großen Engagements der Laiendarstellerinnen und zahlreicher ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer. Es soll das Gedenken an die Opfer ermöglichen – auf getrennte und doch gemeinsame Weise.
Es gibt kaum eine größere Gemeinde in Deutschland, in welcher nicht Opfer des organisierten Krankenmordes zu beklagen sind. Psychisch Kranke und Behinderte waren die ersten Opfer eines systematischen, von langer Hand vorbereiteten Ausrottungsplans, der sich zunächst gegen Kranke und später auch gegen vom NS-Regime als rassisch minderwertig verleumdete Personengruppen wie Juden, Sinti oder Homosexuelle richtete.
Eine didaktische Handreichung für den Unterricht bietet Hintergrund-Informationen und Fragen zur Filmversion von „T4. Ophelias Garten“.
Das Video zeigt eine Bühnenfassung von „T4. Ophelias Garten“, welche das ZfP Südwürttemberg eigens für den Gedenktag 2021 und für die Verwendung im Schulunterricht aufzeichnen ließ.
Kontakt /

Prof. Dr. Thomas Müller
Leitung Abteilung Bildung und Wissen, Leitung Forschungsbereich Geschichte und Ethik der Medizin
th.mueller@zfp-zentrum.de 0751 7601-2217Download /
Denkmal Weissenau
Flyer
Der Zentralbereich Forschung und Lehre stellt seine Arbeit ausführlich auf der Webseite Forschung BW vor.
Elise Schüller - Den Opfern einen Namen geben
Flyer
Florina Ottenheimer - Den Opfern einen Namen geben
Flyer



