Wie sieht der Alltag in einer psychiatrischen Klinik aus? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und wie werden Menschen mit psychischen Erkrankungen unterstützt? Beim Tag der offenen Tür des ZfP Südwürttemberg in Biberach erhielten zahlreiche Interessierte Einblicke in die psychiatrische Versorgung.
Die Türen öffnen, Einblicke ermöglichen und miteinander ins Gespräch kommen: Im Rahmen des Welttags für seelische Gesundheit hatte die Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie Biberach des ZfP Südwürttemberg zum Tag der offenen Tür eingeladen. Zahlreiche Besucher und Vertreter von Kooperationspartnern nutzten die Gelegenheit, die Räumlichkeiten kennenzulernen, sich über Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und mit den Mitarbeitenden auszutauschen. Für den musikalischen Auftakt sorgte Ewald Bayerschmidt, bevor Chefärztin PD Dr. Sophie Hirsch und die Pflegerische Abteilungsleitung Gundula Nessensohn die Gäste begrüßten.
Im Mittelpunkt des anschließenden Fachvortrags von Fachärztin Damaris Klass und Advanced Practice Nurse (APN) Katrin Hepp standen zwei wichtige Behandlungsfelder der Alterspsychiatrie: Demenzerkrankungen und Depressionen. „Durch den demografischen Wandel und die zunehmende Zahl älterer Menschen in unserer Gesellschaft wächst auch der Behandlungsbedarf in der Alterspsychiatrie. Gleichzeitig beobachten wir, dass sich Betroffene heute früher Hilfe suchen. Das ist eine erfreuliche Entwicklung, die zeigt, dass das Bewusstsein für psychische Erkrankungen wächst“, erklärte Klass, Ärztliche Leiterin der Alterspsychiatrischen Station am Standort Biberach. In ihrem Vortrag erläuterten die beiden Expertinnen verschiedene Formen von Demenzerkrankungen und zeigten auf, wie sich diese von depressiven Erkrankungen im höheren Lebensalter unterscheiden lassen. Darüber hinaus stellten Klass und Hepp die therapeutischen und pflegerischen Angebote vor. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Förderung vorhandener Ressourcen, alltagspraktisches Training und die Biografiearbeit. „Gerade bei Patienten, die nach ihrem Klinikaufenthalt wieder in ihr häusliches Umfeld zurückkehren, ist es besonders wichtig, vorhandene Fähigkeiten zu stärken und so die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten“, betonte Pflegeexpertin Hepp. Die therapeutischen und pflegerischen Angebote setzen deshalb gezielt bei den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen der Betroffenen an.
Ein Blick hinter die Kulissen
Im Anschluss an den Vortrag konnten die Besucher beim „Markt der Möglichkeiten“ die verschiedenen Behandlungsbereiche und Angebote der Abteilung kennenlernen. Mitarbeitende der Stationen, Tageskliniken und Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) informierten über ihre Arbeit und beantworteten Fragen. Dabei bot sich reichlich Gelegenheit für persönliche Gespräche und einen direkten Austausch mit den Fachkräften. Besonders anschaulich wurde es beim Demenz-Parcours. Das interaktive Mitmachangebot ermöglichte es, selbst zu erleben, mit welchen Schwierigkeiten Menschen mit einer Demenzerkrankung im Alltag konfrontiert sein können.
Großes Interesse galt auch den Führungen durch die Räumlichkeiten. Auf der allgemeinpsychiatrischen Station 1072 erhielten die Besucher Einblicke in die Bezugspflege und erfuhren, wie Patientinnen und Patienten während ihres Aufenthalts individuell begleitet werden. Anschließend konnten sie den Tagesklinikbereich sowie Patientenzimmer im offenen Bereich besichtigen. Weitere Führungen führten durch die Psychiatrische Institutsambulanz, die Tageskliniken sowie die Räumlichkeiten der Kreativtherapien. Dabei stellten die Mitarbeitenden auch die jeweiligen therapeutischen und pflegerischen Konzepte vor und erläuterten, wie die unterschiedlichen Behandlungsangebote ineinandergreifen.
Viele Gespräche und wertvolle Kontakte
Für Chefärztin Hirsch war der Tag der offenen Tür eine gelungene Gelegenheit, die psychiatrische Versorgung in ihrer ganzen Bandbreite sichtbar zu machen. „Wir freuen uns sehr über das große Interesse und darüber, dass wir so vielen Menschen unsere Arbeit vorstellen konnten. Uns war wichtig zu zeigen, wie vielfältig Psychiatrie ist und was eine moderne psychiatrische Behandlung alles umfasst“, sagte Hirsch. Auch Gundula Nessensohn zog eine positive Bilanz. „Wir konnten viele gute Gespräche führen und auf die unterschiedlichen Fragestellungen der Besucher eingehen. Besonders gefreut hat uns, dass auch so viele unserer Kooperationspartner der Einladung gefolgt sind. Der persönliche Austausch und die Vernetzung sind für unsere tägliche Arbeit von großer Bedeutung.“
Der Tag der offenen Tür bot den Besuchern die Möglichkeit, die Psychiatrie abseits gängiger Vorstellungen kennenzulernen und einen unmittelbaren Eindruck vom Klinikalltag zu gewinnen. Damit leistete die Veranstaltung auch einen Beitrag dazu, Berührungsängste abzubauen und das Verständnis für psychische Erkrankungen und ihre Behandlung zu fördern.




