„Ihr dürft wieder kommen“ – besser hätte das Feedback der Bewohnenden an die 18 Auszubildenden kaum ausfallen können. Bei der diesjährigen Azubi-WG des ZfP Südwürttemberg waren so viele Teilnehmende dabei wie noch nie. Zehn Tage lang übernahmen sie auf einer Wohngruppe im Fachpflegeheim weitgehend selbstständig die Versorgung der 15 Bewohner:innen.
Die Azubi-WG ist ein besonderes Ausbildungsprojekt des ZfP Südwürttemberg: Angehende Pflegekräfte gestalten zehn Tage lang eigenverantwortlich den Alltag auf einer Wohngruppe. In diesem Jahr war die Gruppe so groß wie noch nie: Sieben Auszubildende im zweiten Ausbildungsjahr der generalistischen Pflegeausbildung, vier Pflegestudierende, sechs angehende Krankenpflegehelfer:innen und eine Altenpflegehelferin. „Sie haben in ihrer Ausbildung bereits viel über Pflege, Ethik und rechtliche Grundlagen gelernt. Jetzt bekommen sie die Möglichkeit, dieses Wissen in der Praxis anzuwenden, Verantwortung zu übernehmen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln“, sagte Martina Nunnenmacher, Regionale Geschäftsbereichsleiterin der Gemeindepsychiatrie zum Projektstart
Bevor es losging, wurden die Teilnehmenden drei Tage lang gemeinsam auf ihre Aufgabe vorbereitet. Sie lernten die Bewohner:innen und ihre individuellen Bedürfnisse kennen, erstellten ihren Dienstplan und absolvierten ein Notfalltraining. Bei erlebnispädagogischen Übungen ging es außerdem darum, als Gruppe zusammenzufinden, Vertrauen aufzubauen und die Zusammenarbeit zu stärken.
Selbstständig werden und als Team wachsen
Während der zehn Tage waren insgesamt 13 Praxisanleitende beteiligt. Jeweils zwei begleiteten die Auszubildenden pro Schicht - zusätzlich zum Stammpersonal, das auf der Nachbar-Wohngruppe im Einsatz war. Zum Alltag der Auszubildenden gehörte weit mehr als die pflegerische Versorgung. Sie vereinbarten Termine, organisierten Abläufe, erstellten Dienstpläne und übernahmen zeitweise auch die Schichtleitung. Gleichzeitig blieb Raum für eigene Ideen und gemeinsame Aktivitäten mit den Bewohner:innen. Beim „Döhnerstag“ bereiteten sie gemeinsam eine besondere Spezialität zu, bei einer Disco wurde zusammen gefeiert. „Ihr habt Erinnerungen geschaffen, die den Bewohnerinnen und Bewohnern noch lange bleiben“, zeigte sich Geschäftsbereichsleiterin Nunnenmacher beeindruckt.
Bei der Abschlussveranstaltung präsentierten die hauptamtlichen Praxisanleiterinnen Stefanie Weigand und Michaela Karkos, die das gesamte Projekt betreut hatten, die Ergebnisse der Auswertung. Sowohl die Rückmeldungen der Auszubildenden als auch die Einschätzungen der Praxisanleitenden fielen sehr positiv aus. Besonders hervorgehoben wurden die gute Zusammenarbeit, die Betreuung und die Möglichkeit, theoretisches Wissen praktisch anzuwenden. Auch komplexe Pflegesituationen wurden gemeinsam gemeistert. „Man hat gemerkt, dass man selbstsicherer geworden ist und sich mehr zutraut“, fasste es eine Teilnehmerin zusammen.
Auch für Paul Aßfalg war es eine besondere Erfahrung: „Verantwortung abzugeben entspricht eigentlich nicht meinem Naturell“, so der Projektteilnehmer. „Da ich aber schnell gemerkt habe, dass ich mich auf das Team verlassen kann, fiel es mir leicht.“ Projektleitung Weigand hob den Zusammenhalt der Gruppe hervor: „Ihr habt euch gegenseitig mitgenommen und seid als Team zusammengewachsen.“ Trotz zahlreicher Ausfälle bei den Praxisanleitungen sei es durch das gute Zusammenspiel aller Beteiligten gelungen, die Azubi-WG erfolgreich durchzuführen.
Ganz ohne Herausforderungen lief das Projekt nicht. Absprachen waren nicht immer einfach, und auch die Rolle der Schichtleitung wurde teilweise als anspruchsvoll erlebt. Gerade darin sahen die Beteiligten einen wichtigen Teil des Lernprozesses. „Tätigkeiten, die wir als selbstverständlich betrachten, können für Auszubildende eine große Hürde sein. Das sensibilisiert uns“, sagte Praxisanleiterin Katharina Härle.
Besonders herzlich fiel das Feedback der Bewohner aus. „Ihr dürft wieder kommen“, „Es war wunderbar, das kann man bald wiederholen“ und „Das könnte ein ganzes Jahr so weitergehen“ lauteten einige der Rückmeldungen. Eine Bewohnerin verfasste sogar einen persönlichen Brief an die Auszubildenden: Sie werde die Gruppe nicht vergessen und lobte neben deren Freundlichkeit und Einsatz auch die Begleitung durch die Praxisanleitenden. Zum Abschluss erhielten die Auszubildenden personalisierte Zertifikate und kleine Auszeichnungen für besondere Stärken – vom „Organisationstalent“ über die „Verlässlichkeitsmedaille“ bis zum „Engel der Geduld“. Für die Beteiligten steht fest: Die Azubi-WG ist eine Bereicherung für die Auszubildenden, die Bewohner:innen und das gesamte Ausbildungsteam.




