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Kranzniederlegung am Denkmal der grauen Busse /

Ein dunkelblonder Mann mittleren Alters im schwarzen Mantel und mit Brille steht an einem Mikrofon und spricht. Im Hintergrund ist ein steinernes Denkmal in Form eines Omnibusses sowie links und rechts zwei Gedenkkränze zu sehen.

„‚Demokratiemüde‘ – welch ein Unwort. Wir müssen mit Bildung, Aufklärung und Diskussionsbereitschaft dagegenhalten", sagte Prof. Dr. Thomas Müller.

Mit Ansprachen und einer Kranzniederlegung am Denkmal der grauen Busse wurde am Standort Weissenau der 691 Frauen, Männer und Minderjährigen gedacht, die als Patientinnen und Patienten der ehemaligen Heilanstalt Weissenau in den Jahren 1940 und 1941 in den Vernichtungsstätten Grafeneck und Hadamar ermordet wurden.

Seit 1996 ist der 27. Januar der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, an dem bundesweit an die Geschehnisse der damaligen Zeit erinnert wird. Gemeinsam mit der Stadt Ravensburg erinnert auch das ZfP Südwürttemberg alljährlich an die während der Nazi-Herrschaft begangenen Verbrechen. Im Rahmen der Kranzniederlegung am Denkmal der grauen Busse erklang für jede:n der aus Weissenau abtransportierten 691 Patientinnen und Patienten ein Glockenschlag von der Weissenauer Münsterkirche.

Demokratie muss verteidigt werden
Dr. Daniel Rapp, Oberbürgermeister der Stadt Ravensburg, sagte im Anschluss: „Laut dem bulgarischen Philosophen Ivan Krastev ist die am schlechtesten bewachte Grenze jene zwischen Demokratie und Diktatur. Und ja, Demokratie ist leider nicht der Normalfall – sie ist kein Urzustand, im Gegenteil. Deshalb muss die Demokratie verteidigt werden. Wir hier in Deutschland können stolz darauf sein, dass wir unsere diktatorische Vergangenheit aufarbeiten und uns der Schuld stellen. Doch damit das so bleibt, müssen wir auch die jungen Menschen erreichen; denn das Wissen um unsere Geschichte ist wichtig für ein demokratisches Bewusstsein.“

Erinnerungskultur als gelebte Praxis
Prof. Dr. Thomas Müller, Leiter der Abteilung Bildung und Wissen sowie des Forschungsbereichs Geschichte und Ethik der Medizin, sprach daraufhin für das ZfP Südwürttemberg: „Vor dem Hintergrund, dass es durch medizinisches Personal verübte Verbrechen bis heute gibt, ist unsere Erinnerungskultur nach wie vor sinnvoll. Sie ist kein lästiges Gut, sondern gelebte Praxis, die sich verändern darf und dies auch tut. Und die unsere Haltung zum Ausdruck bringt, dass es ethische Richtlinien gibt, an die es sich zu halten gilt.“ Und weiter: „‚Demokratiemüde‘ – welch ein Unwort. Wir müssen mit Bildung, Aufklärung und Diskussionsbereitschaft dagegenhalten. Lassen Sie uns zusammenhalten, um unsere Demokratie zu schützen. Demokratie bietet auch Schutz, insbesondere den Kranken, Alten, Minderheiten, aber auch Minderjährigen in unserer Gesellschaft.“

INFO: Aus der Heilanstalt Weissenau wurden 1940/41 in elf Omnibustransporten 691 teils minderjährige Patientinnen und Patienten nach Grafeneck und Hadamar deportiert. Zurück kamen lediglich ihre Kleider. Das Denkmal der Grauen Busse, von dem es zwei identische Versionen gibt, erinnert an die Tötungsaktion der Nationalsozialisten unter Beteiligung medizinischen Personals. Fester Standort des ersten Denkmalbusses ist die ehemalige Pforte auf dem Gelände des ZfP Südwürttemberg am Standort Weissenau. Der zweite versetzbare Bus wurde bereits an vielen Orten in Deutschland und im benachbarten Ausland aufgestellt. Als mobiles Denkmal trägt er die Erinnerung auch in andere Regionen, in denen ebenfalls Todestransporte stattfanden. Er steht zurzeit in Chemnitz.




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