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Pflegende sind Wegweisende /

In mehreren Reihen sitzen Zuhörer:innen und schauen auf eine Bühne, auf der eine Frau moderiert.

Auf großes Interesse bei Pflegekräften stieß das 5. Pflegesymposium des ZfP Südwürttemberg. Das nächste Symposium soll am 27. Juni 2024 stattfinden.

Positive Visionen rund um die psychiatrische Pflege standen im Mittelpunkt des diesjährigen Pflegesymposiums des ZfP Südwürttemberg. Intensiv tauschten Teilnehmende und Referierende Erfahrungen aus und diskutierten, wie sich eine positive pflegerische Arbeits- und Lebenswelt gestalten lässt.

„Bewusst möchten wir heute den Fokus auf Positives legen“, erklärte Ilona Herter die Wahl des Mottos „PositiVision“. Die Pflegedirektorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Donau-Riss moderierte die Veranstaltung in der Weissenauer Mehrzweckhalle, zu der rund 300 Pflegefachpersonen aus dem ZfP und anderen Einrichtungen gekommen waren.

Wie wichtig es sei, über positive Visionen nachzudenken, betonte Dr. Dieter Grupp, Geschäftsführer des ZfP Südwürttemberg. „Wenn nur Missstände angeprangert werden, kann es kein positives Image geben.“ Zwar habe die Pflege, insbesondere im ZfP, mit Blick auf die Akademisierung, Integration internationaler Fachpersonen und der Pflegekammer Baden-Württemberg viel erreicht. Dennoch, so der Psychiater, treten Beziehungsarbeit und interdisziplinäres Arbeiten immer mehr in Hintergrund. Seine Vision seien gut ausgebildete, selbstbewusst und interdisziplinär agierende Pflegende, die Zeit mit Patient:innen verbringen und Entwicklungen anstoßen. „Warum soll man noch in der Pflege arbeiten?“ fragte Pflegedirektor Martin Holzke angesichts von Negativ-Schlagzeilen wie Fachkräftemangel und schlechter Bezahlung. Weil Pflege – im Sinne von Beziehung aufbauen und in Kontakt treten - viel bewirken könne, so die Antwort des Regionaldirektors, der eindrücklich schilderte, wie ihn Erfahrungen in einer rumänischen Psychiatrie als junger Pflegeauszubildender geprägt haben. „Wir sind dafür verantwortlich ein positives Bild der Pflege zu zeichnen“, so Holzkes Worte an die Pflegenden. „Wir können die Menschen an der positiven Realität teilhaben lassen.“ Mit der Gestaltung positiver Lebenswelten am Beispiel der Arbeitswelt psychiatrisch Pflegender beschäftigte sich Prof. Dr. Michael Löhr in seinem Vortrag. Der Pflegedirektor des LWL-Klinikums Gütersloh forderte, sich nicht auf das Narrativ des Fachkräftemangels zu konzentrieren, sondern vielmehr, für ehemals Pflegende wieder eine positive Arbeitswelt zu schaffen. „Die Bedingungen müssen sich verändern und Hierarchien abgeflacht werden, damit Pflegende wieder in ihren Beruf zurückkehren.“ Auf großes Interesse bei den Anwesenden stieß das sogenannte „Gütersloher Modell“, das Löhr seit drei Jahren mit viel Erfolg umsetzt. Mit Maßnahmen wie Bildung und Förderung bestehender Mitarbeitenden durch Stipendien, Abbau von Hierarchien, Fachexpert:innen in der Patientenversorgung oder auch, dass Pflegende ihre Dienstpläne selbst schreiben, konnten rund 60 Vollzeitstellen in der Pflege neu besetzt werden.

Die Perspektive als Angehörige brachte die Schweizerin Sirkka Mullis im Anschluss ein. Als Mutter eines Sohnes mit langjähriger Psychose setzt sie sich für die Anliegen psychisch Kranker und für das aufsuchende systemtherapeutische Modell „Open Dialogue“ ein. Dieses ermöglicht unter anderem, dass Mullis‘ inzwischen 27-jähriger Sohn zu Hause leben und am normalen Familienalltag teilnehmen kann. Ein psychiatrisches Team reflektiert gemeinsam mit der Familie Themen und legt den Fokus auf Beziehungen. „Weniger Symptome, kaum noch Kliniktage und mehr Empathie und Verständnis füreinander“, fasst Mullis die positiven Effekte des Modells zusammen und beschreibt den anwesenden Pflegefachpersonen ihre Wünsche an die psychiatrische Versorgung: „Hören Sie Patient:innen, aber auch uns Angehörigen zu. Zuhören und verstehen wollen ist elementar, um aus Krisen zu genesen.“ Die provokante These „Pflegende haben wenig Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen“ stellte die nächste Referentin, Dorothea Sauter, auf. Die Pflegeentwicklerin der LWL-Klink Münster präsentierte Forschungsergebnisse, die aufzeigten, wie Pflegende Verantwortung erleben und welche Einflüsse sie dabei hemmen. „Pflegende wollen und können entscheiden“, widerlegte Sauter ihre These. Verantwortungsübernahme sei jedoch komplex, viele Voraussetzungen dafür nicht gegeben und Pflegende oft überfordert bei zu viel Verantwortlichkeiten. Auch gebe es Unterschiede zwischen ambulanter Versorgung mit mehr Freiräumen und klinischem Setting mit engeren Vorgaben. „Enge Handlungsmöglichkeiten machen motivierte Pflegende zudem unglücklich“, warnte die Präsidentin der Fachgesellschaft Psychiatrische Pflege.

Mit einem eigens für das Motto einstudierten Stück unterhielt die inklusive Theatergruppe companie paradox das Publikum vor der Mittagspause. Am Nachmittag hatten die Teilnehmenden ausreichend Gelegenheit Diskussionspunkte in Workshops zu vertiefen. In Gruppen wurden Themen wie Angehörigenperspektiven, transkulturelle Teams und Verantwortungsübernahme diskutiert. Bevor Pflegeexpert:innen die Erkenntnisse der Workshops in einer Statement-Runde zusammenfassten, sprachen Dr. Uwe Schirmer, Leiter der akademie südwest und Mitglied im Landespflegerat, und Pflegeentwickler Patrick Lemli, über die Pflegekammer Baden-Württemberg, die den Beruf stärke und allen Pflegenden eine Stimme gebe. „Pflege braucht die Pflegekammer. Nur so kann Pflege funktionieren“, betonte Schirmer.




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