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Psychiatrische Behandlung in Corona-Zeiten /

Mit der Behandlung und Betreuung psychisch kranker Menschen ist das ZfP Südwürttemberg ein systemrelevanter Teil des Gesundheitssystems. Das ZfP am Standort Zwiefalten informierte nun über sein Behandlungsangebot und den Umgang in Corona-Zeiten.

„Uns ist wichtig, dass die Bevölkerung über unsere derzeitige Handhabung informiert ist“, betont der Regionaldirektor Alb-Neckar des ZfP Südwürttemberg, Prof. Dr. Gerhard Längle. Das ZfP am Standort Zwiefalten erhält sein Angebot in den Kliniken, Heimen, Werkstätten und im Maßregelvollzug auch während der Corona-Krise bestmöglich aufrecht. Zu Beginn der Pandemie wurde die Belegung heruntergefahren, doch der Aufnahmedruck ist zunehmend stärker geworden. Mittlerweile werden in der Klinik wieder annähernd so viele Patientinnen und Patienten behandelt wie zuvor, rund 400. Allerdings geschieht dies mit den vorgegebenen Schutz- und Hygienemaßnahmen, zudem gilt unter anderem ein Besuchsstopp für alle Kliniken und Heime.

Die ersten Maßnahmen

Bereits im März wurde ein Corona-Krisenstab gegründet, in dem die Regionaldirektion, die Geschäftsbereichsleitungen, Hygieneverantwortliche sowie der Personalrat vertreten sind. Dringende Themen wie etwa neue Verordnungen wurden anfangs täglich und mittlerweile viermal wöchentlich miteinander abgestimmt. Auch mit den Gesundheitsämtern und dem Landkreis stehe man in einem guten Austausch, so Längle.

Für die Isolation von erkrankten Personen wurde umgehend eine Quarantäne-Station für Covid-19 Erkrankte eingerichtet, für die ein gesondertes, speziell geschultes Behandlungsteam zuständig ist. Auf allen Akutstationen gibt es weiter entsprechend abgetrennte Bereiche für Verdachtsfälle. In allen Bereichen des Unternehmens wird darauf geachtet, die vorgegebene Abstandsregelung einzuhalten. Das ist in einer psychiatrischen Klinik nicht immer einfach. Manche Patienten können nicht nachvollziehen, dass sie wegen eines Virus Abstand halten müssen. Für die Behandelnden gelten daher in bestimmten Bereichen die Maskenpflicht und die verbindlichen Hygienemaßnahmen.

„Zu Beginn wurde für die Beschaffung von Schutzausrüstung extrem viel Energie benötigt“, erläutert Längle. Mittlerweile seien aber ausreichend Masken jeder Art für alle ZfP-Mitarbeitenden vorhanden. „Wir können die Beschäftigten und Patienten so schützen, wie es nötig ist“, versichert der Regionaldirektor. Seit zwei Wochen haben Mitarbeitende zudem die Möglichkeit, sich bei typischen Erkrankungssymptomen auf das Corona-Virus testen zu lassen, auch ohne dass sie Kontakt zu Erkrankten hatten oder sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben.

Behandlungsangebote bleiben bestehen

Alle Klinikangebote werden so weit wie möglich aufrechterhalten. Auch Therapiegruppen, zum Beispiel die Bewegungstherapie, finden weiterhin statt – nun aber in kleinen Gruppen und größeren Räumlichkeiten. „Unsere Patienten hatten keine relevanten Therapieeinbußen“, so Längle. Die Behandlung in den psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA) wurde deutlich erweitert. Anstatt vor Ort fanden Kontakte vielfach auch über Telefon- und Videogespräche statt. „Eine gute Überbrückungsmöglichkeit für unsere Patienten“, findet Längle. Auch die stationsäquivalente Behandlung, bei der Patienten zuhause anstatt in der Klinik behandelt werden, wurde vermehrt angeboten. Längle resümiert: „Mit der klinischen Behandlung kommen wir in der Krise gut zurecht.“

Im Heimbereich, insbesondere bei den älteren Bewohnerinnen und Bewohnern im Seniorenheim, bestehe ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe. „Dementsprechend war hier auch höhere Vorsicht geboten“, berichtet Dieter Haug, Regionaldirektor Alb-Neckar des ZfP Südwürttemberg. Alle Bewohner sowie Mitarbeitenden wurden durch das Kreisgesundheitsamt auf Corona negativ getestet, insgesamt 200 Personen. Jede neu aufgenommene Person muss in eine zweiwöchige Quarantäne. Besuche werden nur in Ausnahmefällen unter speziellen Bedingungen gewährt. „Die Isolation ist für unsere älteren Bewohner besonders schwierig“, weiß Haug. Auch bei den Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) gibt es schwerwiegende Einschränkungen. Auf Verordnung des Landes wurden diese geschlossen. Nur wer auch im ZfP behandelt wird, darf weiter in den Werkstätten arbeiten. „Das führt auch zu gewissen Krisen“, so Haug. Man hoffe auf eine Lockerung der Regelung Anfang Mai.

Auch im Maßregelvollzug, in dem in Zwiefalten suchtkranke Rechtsbrecher behandelt werden, ist man bei Neuaufnahmen besonders vorsichtig. Der Bereich ist beengt. „Wir haben aktuell in ganz Baden-Württemberg eine starke Überbelegung“, erklärt Haug. So sind am ZfP-Standort Zwiefalten derzeit 120 anstatt der regulären 86 Patientinnen und Patienten untergebracht. Um Infektionen zu vermeiden, gilt auch hier eine starke Besuchseinschränkung. „Das ist eine deutliche Belastung die therapeutisch wieder aufgefangen werden muss.“ Ein Quarantäne-Bereich wurde vorsorglich eingerichtet.

Der Umgang mit Infizierten

Auf einer alterspsychiatrischen Station wurde eine Patientin vor zwei Wochen positiv auf das Corona-Virus getestet. Sie kam von einem somatischen Haus zum ZfP und hatte in den ersten Tagen keinerlei Symptome. Da bei allen Patienten aber mehrfach am Tag die Körpertemperatur gemessen wird, fiel ihre erhöhte Temperatur schnell auf. Die Patientin wurde sofort verlegt. Alexander Baier, der hygieneverantwortliche Arzt der Region Alb-Neckar des ZfP, berichtet: „Die demente Patientin war sehr kontaktfreudig.“ Alle Mitarbeitenden und Patienten der Station wurden nun mehrfach auf das Virus getestet – 8 Patienten und 6 Mitarbeitende positiv. Sie befinden sich seither in stationärer oder häuslicher Quarantäne.

Mit dem Gesundheitsamt wurde vereinbart, weiterhin engmaschige Tests durchzuführen. „So hoffen wir, Neuinfektionen schnell ausfindig zu machen und die Welle abzumildern“, sagt Baier. Regionaldirektor Längle ergänzt: „Es ist wichtig, die Wege nachzuvollziehen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern.“ Fast allen Betroffenen gehe es körperlich gut. Sollte sich ihr Zustand verschlechtern, werden sie in ein somatisches Krankenhaus verlegt. Die betroffenen Mitarbeitenden befinden sich in häuslicher Quarantäne. Längle berichtet: „Wir sind nun im ZfP Südwürttemberg dazu übergegangen, jede in den relevanten Bereichen neu aufgenommene Person auf das Corona-Virus zu testen.“ Trotzdem gäbe dies keine hundertprozentige Sicherheit. „Wir müssen im Alltag nach wie vor sehr aufmerksam sein.“




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