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Psychiatrische Institutsambulanzen im Wandel /

In einem großen Saal mit Stuckdecke und Kronleuchter sitzen die Zuschauer und schauen auf eine Bühne.

Rund 170 Fachleute aus ganz Baden-Württemberg kamen zur PIA-Tagung im historischen Festsaal des ZfP Südwürttemberg in Weissenau zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen und Perspektiven der ambulanten psychiatrischen Versorgung auszutauschen.

Teilnehmende aus Baden-Württemberg tauschen sich bei Tagung der Psychiatrischen Institutsambulanzen in Weissenau über aktuelle Entwicklungen, neue Rahmenbedingungen und Perspektiven der ambulanten psychiatrischen Versorgung aus.


Welche Möglichkeiten eröffnet die neue Einzelleistungsvergütung für die psychiatrische Versorgung? Und wie lassen sich ambulante Behandlungsangebote weiterentwickeln? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Tagung der Psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA) Baden-Württemberg, zu der das ZfP Südwürttemberg am Freitag, 9. Oktober, nach Weissenau eingeladen hatte. Rund 170 Fachleute verschiedener Berufsgruppen aus dem ganzen Land kamen im historischen Festsaal zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen und Erfahrungen aus der Praxis auszutauschen.


Dass psychiatrische Behandlung nicht zwangsläufig innerhalb einer Klinik stattfinden muss, ist keine neue Erkenntnis. Bereits die Familienpflege war ein früher Ansatz der gemeindenahen Versorgung. Daran erinnerte Prof. Dr. Iris Tatjana Graef-Calliess, Ärztliche Direktorin der Klinik I für Psychiatrie und Psychotherapie Ravensburg-Bodensee, bei der Begrüßung. „Gute ambulante Psychiatrie bedeutet, die Menschen dort zu erreichen, wo sie leben. Es geht nicht nur um die Frage, wo Behandlung stattfindet, sondern auch um unsere Haltung gegenüber den Patientinnen und Patienten“, betonte sie. 


Dr. Helmtraud Kantor, PIA-Koordinatorin des ZfP Südwürttemberg, betonte: „In den Institutsambulanzen sind wir nicht nur mit psychiatrischen Erkrankungen konfrontiert, sondern auch mit Herausforderungen aus dem Lebensumfeld der Patientinnen und Patienten, etwa in der Familie, am Arbeitsplatz oder im sozialen Umfeld. Anders als auf Station sind die Fachkräfte dabei häufig auf sich allein gestellt. Umso wichtiger sind Gelegenheiten wie diese Tagung, um Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen.“


Austausch zwischen Praxis und Krankenhausgesellschaft


Mit der vor zwei Jahren eingeführten Einzelleistungsvergütung haben sich die Rahmenbedingungen für die Psychiatrischen Institutsambulanzen grundlegend verändert. Der neue PIA-Rahmenvertrag ermöglicht es, Behandlungsleistungen differenzierter abzurechnen und individueller am Bedarf der Patient:innen auszurichten. Gleichzeitig bringt er neue Anforderungen an Organisation, Dokumentation und Finanzierung mit sich. Marlen Lau von der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) erläuterte die rechtlichen Grundlagen. Besonders wichtig sei der direkte Austausch mit den Einrichtungen, um offene Fragen zu klären und Erfahrungen aus der Praxis in weitere Verhandlungen einfließen zu lassen. „Für die Weiterentwicklung des PIA-Rahmenvertrags sind Rückmeldungen aus der Praxis unverzichtbar. Nur wenn wir wissen, wo es im Versorgungsalltag Schwierigkeiten gibt, können wir diese Themen in die Verhandlungen einbringen“, erklärte Lau.


Welche Bedeutung die Ambulantisierung für die strategische Ausrichtung des ZfP Südwürttemberg hat, erläuterte Graef-Calliess. Der Grundsatz „ambulant vor stationär“ prägt die Weiterentwicklung der psychiatrischen Versorgung maßgeblich. Beim Transformationsprojekt BEREIT beschäftigt sich das ZfP Südwürttemberg mit Alternativen zur vollstationären Behandlung. Ein weiterer Baustein ist eine psychiatrische Notfallambulanz, die als niedrigschwellige Anlaufstelle dienen soll. 


Mehr Spielraum für individuelle Behandlung


Über die bisherigen Erfahrungen mit dem neuen Vergütungssystem berichteten Prof. Dr. Gerhard Längle, Regionaldirektor Alb-Neckar des ZfP Südwürttemberg und PP.rt-Geschäftsführer, und Frank Eisele, Leiter des Medizin-Controllings. „Der neue Rahmenvertrag bedeutet einen Systemwechsel. Er eröffnet uns die Möglichkeit, Menschen intensiver, individueller und auch in ihrem Lebensumfeld zu behandeln. Dafür müssen wir aber unsere Strukturen und Arbeitsweisen verändern“, erklärte Längle. Die Teams würden zunehmend multiprofessionell aufgestellt. Eisele verdeutlichte, wie wichtig belastbare Daten und eine präzise Dokumentation für die Steuerung und Finanzierung der ambulanten Leistungen sind.


Welche Behandlungsmöglichkeiten sich daraus ergeben, zeigten weitere Praxisbeispiele: PD Dr. Stefan Tschöke berichtete über die ambulante Behandlung von Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen, während Dr. Urban Hansen Einblicke in die Arbeit der seit sechs Jahren bestehenden Sexualambulanz gab. Am Nachmittag wurde der fachliche Austausch in verschiedenen Workshops fortgesetzt.
 




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