Eine junge, verzweifelt wirkende, Frau sitzt auf einem Sofa und hält die Hände vor ihr Gesicht. Im Hintergrund ist ein lachender Mann zu sehen, der ein Baby hält.

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Ist das noch der Babyblues?

Die Geburt ist überstanden, das Baby auf der Welt – zufriedenes Neugeborenes und glückliche Mutter? Nicht immer ist das so. Während der Großteil der Frauen nur von einem kurzen Stimmungstief, dem sogenannten Babyblues, betroffen ist, leiden rund zehn bis 15 Prozent aller Mütter nach der Schwangerschaft unter einer Peripartalen Depression (PPD).
05.12.2025
Nicola Netzer

„Eine Geburt bedeutet Schwerstarbeit für Körper und Psyche – vor allem aber ist sie nicht immer mit Glücksgefühlen verbunden“, weiß Dr. Susanne Bachthaler, Ärztliche Leiterin der SINOVA Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Ravensburg. Sich erschöpft fühlen, weinen und gereizt sein –  das ist nicht ungewöhnlich in der Zeit nach der Geburt. Die Dauer dieses Stimmungstiefs sowie weitere Faktoren können für Außenstehende, aber auch für die Betroffenen selbst, auf etwas schwerwiegenderes als den Babyblues hinweisen. 

Anzeichen einer Peripartalen Depression

"Wann hört das endlich auf?"

Das Stimmungstief dauert länger als 14 Tage an.

"Ich fühle keine Liebe für mein Kind."

Unfähigkeit, positive Gefühle für das Baby zu empfinden und mit ihm zu interagieren.

„Ich bin eine schlechte Mutter.“

Große Angst, zu versagen und nicht in der Lage zu sein, die Bedürfnisse des Babys erfüllen zu können.

„Ich schaffe das nicht.“

Das Gefühl, überfordert zu sein.

"Ich weine jeden Tag."

Stimmungsschwankungen, anhaltende Traurigkeit, häufiges Weinen

"Ich habe zu nichts mehr Lust."

Sozialer Rückzug, Antriebslosigkeit, kein Interesse mehr an Aktivitäten

"Ich habe Schmerzen."

Körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen und Kopfschmerzen.

Selbsttest

Eine erste Einschätzung kann ein Selbsttest sein. Dieser ersetzt jedoch keine professionelle oder ärztlich gestellte Diagnose. 

 

> zum Selbsttest 

Eine junge dunkelhaarige Frau kauert am Boden und umschließt ihre Beine, ihr Blick geht Richtung Boden.

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Nahaufnahme einer erwachsenen Hand, die die Hand eines Neugeborenen hält.

© ZfP

Unterscheidung zum Babyblues

Der Babyblues ist der Hormonumstellung oder auch der Herausforderung mit Neugeborenen geschuldet und nach maximal zwei Wochen vorbei. „Die Frauen sind dabei noch empfänglich für Emotionen und können lachen, selbst wenn das manchmal unter Tränen geschieht“, betont Bachthaler. Bei einer PPD kommen zu den hormonellen Veränderungen noch psychosoziale Faktoren oder genetische Veranlagung hinzu. Erlebt die Frau außerdem eine traumatische Geburt oder hat Beziehungsprobleme, kann das die Entwicklung einer PPD weiter begünstigen. 

Zusammenfassung

Ein kurzes Stimmungstief innerhalb der ersten 14 Tage nach der Geburt ist normal und geht von selbst vorüber. Verstärkt sich jedoch die Traurigkeit, kommen Versagensängste und Emotionslosigkeit hinzu, könnte eine Peripartale Depression vorliegen.

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