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Das „Denkmal der grauen Busse“ wandert weiter /

Das Denkmal der grauen Busse, eine mehrere Meter lange Nachbildung eines Omnibusses aus grauem Beton, steht auf gepflasterten Vorplatz einer Kirche. Links und rechts davon stehen Menschen.

Die mobile Version des „Denkmals der grauen Busse“ steht nun am Erlanger Hugenottenplatz.

Die mobile Version des „Denkmals der grauen Busse“, welches an die Opfer der sogenannten „Euthanasie“ im Nationalsozialismus erinnert, ist vom badischen Emmendingen weiter ins fränkische Erlangen versetzt worden.

Das standortgebundene „Denkmal der grauen Busse“ der Eigner ZfP Südwürttemberg und Stadt Ravensburg hat seinen festen Platz an der alten Pforte des ZfP Südwürttemberg in Weissenau. Die zweite, mobile Version des Denkmals stand lange Zeit im ZfP Emmendingen und bereicherte die Diskussionskultur in der badischen Schwesterklinik bei vielen Gelegenheiten – etwa bei Tagungen und zu Gedenktagen.

Eine Aufstellungsdauer von gleich mehreren Jahren war damals keinesfalls vorgesehen: Ein Kunstwerk der Erinnerungskultur, das der sogenannten Konzeptkunst verpflichtet ist, braucht Öffentlichkeit und provoziert das Versammeln Interessierter. Genau dies war jedoch in den Jahren der Pandemie nicht nur schwer möglich, sondern zeitweise schlichtweg untersagt. Dies gehört nun der Vergangenheit an. Seit geraumer Zeit und aus der Pandemie heraus planten die Künstler Horst Hoheisel und Andreas Knitz zusammen mit dem ZfP Südwürttemberg den nächsten Standort im fränkischen Erlangen.

In Erlangen diskutieren viele beteiligte Gruppierungen aus Universität, Stadtverwaltung und Stadtgesellschaft sehr engagiert und zum Teil auch kontrovers seit Jahren über mögliche Formen der Erinnerungskultur an die NS-Zeit, in deren Fokus mehr als alles andere die ehemalige Heil- und Pflegeanstalt steht. Im Jargon der Stadtgesellschaft wird diese auch als „HuPfla“ bezeichnet. Hier soll nun ein „Gedenk- und Zukunftsort“ entstehen, der erinnerungskulturelle Aspekte mit medizinethischen Fragestellungen verknüpfen will.

Wie an vielen Orten im deutschen Reich wurden aus der alten Erlanger Anstalt nicht allein viele Menschen deportiert – nach aktuellem Forschungsstand 905 Patientinnen und Patienten. Sondern die Erlanger Anstalt war darüber hinaus auch ein Ort, an dem die menschenverachtende, von bayrischen Psychiatern „erfundene“ und vor allem in Bayern und Sachsen eingesetzte „Hungerkost“ zur Anwendung kam. Diese kostete eine große Zahl an Patient:innen das Leben.

Viele Monate intensiver Vorbereitung liegen hinter Stadtarchiv, Rathaus und medizinhistorischem Institut der fränkischen Stadt. Am Vormittag des 6. Februar 2024 wurde das „Denkmal der grauen Busse“ auf dem Hugenottenplatz der Erlanger Öffentlichkeit übergeben. Vor der „Hugenottenkirche“ sprachen hierbei Erlangens Oberbürgermeister Dr. Florian Janik, Prof. Thomas Müller im Namen der Eigner sowie Horst Hoheisel für die Künstler. Deutlicher Zuspruch erfolgte auch durch Vertreter des Aktionsbündnisses „Gedenken gestalten – HuPfla erhalten“. Der Standort am bahnhofsnah gelegenen Hugenottenplatz ist einer der zentralsten Verkehrsknotenpunkte der Erlanger Innenstadt und wird täglich von sehr vielen Menschen besucht und passiert.

Am Abend desselben Tages wurde im Rahmen einer Buchvorstellung zum Thema der Forschung und Erinnerungskultur übergeleitet, zu dem auch der Forschungsbereich Geschichte und Ethik in der Medizin des ZfP Südwürttemberg beigetragen hat. Die Begleitausstellung zum „Denkmal der grauen Busse“ ist zurzeit in der nahegelegenen Neustädter Kirche, zugleich Universitätskirche, zu sehen. Veranstaltungen mit Schulklassen und anderes mehr sind geplant.




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