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Fachleute informierten zu Epilepsie /

Psychologe Patrick Kessel, Psychologin Mirijam Geiger-Riess, Oberärztin Susanne Mulert sowie Chefarzt Dr. Hartmut Baier (v.l.) sprachen über aktuelle Themen rund um Epilepsie.

Auch in diesem Jahr veranstaltete die Epilepsie-Akademie Weissenau einen Vortragsabend zu aktuellen Themen rund um das Krankheitsbild. Betroffene und Interessierte nutzten die Veranstaltung, um ihr Wissen zu vertiefen und Fragen zu stellen.

Zum nunmehr 12. Mal fand der Themenabend statt; auch in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft der Stadt Ravensburg. Der Erste Bürgermeister Simon Blümcke nahm seine Begrüßungsrede zum Anlass, den Referierenden und dem ZfP Südwürttemberg, allen voran dem Chefarzt der Epileptologie, Dr. Harmut Baier, seinen Dank auszusprechen. „Danke, dass Sie Ihre Verantwortung gegenüber den Betroffenen und der Gesellschaft auch in pandemiebedingt schwierigen Zeiten wahrnehmen.“ Die jährliche Veranstaltung ermögliche einen unverzichtbaren Austausch an Fachwissen zwischen Experten und Betroffenen.

Zu Beginn der Vortragsreihe ging Dr. Harmut Baier der Frage nach, wann die Blutspiegel der Anfallsmedikamente bestimmt werden sollten und was diese aussagen. Er betonte, dass Zahlen allein keine Aussagekraft haben. „Gemessene Werte müssen immer in Beziehung zum Patienten und der Schwere der Erkrankung gesehen werden.“ Auch sei es bei der Interpretation der Zahlen wichtig, Aspekte wie schwankender Medikamentenspiegel über den Tag, Einnahmefehler und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu berücksichtigen. Beispielsweise während und nach einer Schwangerschaft, so der Weissenauer Chefarzt, sei es sinnvoll den Blutspiegel zu überprüfen, da Hormone den Spiegel stark beeinflussen.

Für Betroffene bewirken Antiepileptika in den meisten Fällen erwünschte positive Effekte wie Anfallsfreiheit, oft gehen sie jedoch mit Nebenwirkungen einher. Über die unerwünschten Einflüsse von Antiepileptika auf das kognitive Leistungsvermögen sprach Psychologe Patrick Kessel. Die am häufigsten festgestellten Effekte sind Aufmerksamkeitsdefizite, Müdigkeit und Einschränkungen der Sprache und des logischen Denkens. Auch hier, so der Psychologe, sei es sehr individuell, wer welches Medikament wie gut verträgt und wie es wirkt. Auch deshalb werden Patientinnen und Patienten regelmäßig neuropsychologischen Tests unterzogen. „Nach Absetzen eines Medikamentes verschwinden die Effekte wieder“, versicherte Kessel abschließend.

Im Anschluss gab Psychologin Mirijam Geiger-Riess in ihrem Vortrag Hinweise zum Umgang mit nichtepileptischen Anfällen bei Menschen mit geistiger Behinderung. Als „Krampfanfälle mit seelischer Ursache“, beschrieb die Psychologin die Anfälle, die im Ausdruck einer Epilepsie ähneln, aber keine körperliche Erkrankung sind. „Sie sind als automatische Reaktion einer Person auf äußere oder innere Reize zu sehen“, so Geiger-Riess. Bei der unterstützenden Begleitung nichtepileptischer Anfälle riet sie unter anderem dazu, Ruhe zu bewahren, Handlungen und Berührungen anzukündigen und beispielsweise über klare Fragen an die Betroffenen eine „Brücke ins Hier und Jetzt“ zu bauen.

Auf reges Interesse im Publikum stieß der Vortrag von Oberärztin Susanne Mulert, die eine ketogene Ernährungsweise als ergänzende Therapie zu Medikamenten vorstellte. Die fett- und proteinreiche, aber kohlenhydratarme Ernährungsweise ist vor allem für Epilepsieerkrankte möglich, bei denen mindestens zwei Medikamente nicht zu Anfallsfreiheit führten. „Die erste Wahl aber“, betonte Mulert, „bleiben immer Medikamente.“ So auch während der Umstellung auf eine ketogene Ernährungstherapie. Insbesondere im Kindesalter bestehe eine hohe Chance, dass die jungen Betroffenen anfallsfrei werden. „Bei Erwachsene bewirkt die Ernährungstherapie in Kombination mit Medikamenten eher reduzierte Anfälle.“

Zum Abschluss der Veranstaltung stellte Chefarzt Dr. Baier mit Cenobamat und Fenfluramin zwei neue anfallssupprimierende Medikamente bei der Behandlung von Epilepsie vor. Cenobamat lieferte bereits vielversprechende Ergebnisse und wird als „game changer“ gehandelt. „Ob das so eintritt, bleibt abzuwarten“, so die zurückhaltende Prognose des Chefarztes, „fest steht jedoch, dass viele Patienten gut darauf ansprechen.

Die regen Nachfragen der Anwesenden zeigten, dass großes Interesse an aktuellen Forschungsergebnissen, Behandlungsmethoden und Tipps rund um das Krankheitsbild besteht. Auch für das nächste Jahr ist wieder ein Themenabend der Weissenauer Epilepsie-Akademie geplant.

 




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