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Orange Days: Farbe bekennen gegen Gewalt an Frauen /

In einem großen hellen Raum hängen Bilder und Infotafeln an den weißen Wänden, das Foto entstand bei der Eröffnung der Ausstellung, im Hintergrund stehen die Redner:innen, im Vordergrund interessierte Zuhörer:innen.

Es sprachen bei der Vernissage zur Ausstellung: Prof. Dr. Juan Valdés-Stauber (links), Elvira Birk (2.v.l.) und Carmen Kremer (5.v.l.).

Das ZfP Südwürttemberg hat sich erstmals an den bundesweiten Aktionstagen „Orange the World“ beteiligt, welche auf geschlechtsspezifische Gewalt gegenüber Frauen aufmerksam machen.

Neben Bannern und Fahnen an den Standorten Bad Schussenried, Weissenau und Zwiefalten wurde in Weissenau eine Ausstellung zum Thema gezeigt und Dr. Steve Truöl nahm in Ravensburg an einem Podiumsgespräch teil. 
 
Organisiert wurde die Ausstellung in Weissenau vom Team der Beauftragten für Chancengleichheit des ZfP Südwürttemberg und dem Ravensburger Verein Frauen und Kinder in Not. Gezeigt wurden Bilder, die Frauen während ihres Aufenthalts im Frauenhaus gemalt haben, flankiert von Aussagen, wie es ihnen ergangen ist und was ihnen Kraft gegeben hat, sowie von einer Fotocollage mit Stimmen betroffener Kinder. 
 
Bei der Vernissage zur Ausstellung sagte Prof. Dr. Juan Valdés-Stauber, Regionaldirektor Ravensburg-Bodensee: „Färbe die Welt in orangenen Tönen – ein einprägsames Motto für diese wichtigen Aktionswochen. Noch wichtiger ist aber die Botschaft: die gesellschaftliche Schande der Gewalt gegen Frauen sichtbar zu machen – diese geht uns alle an, die wir in einer Gesellschaft leben, welche für Menschenwürde, Respekt, Teilhabe, Frieden und Vielfalt steht.“
 
Elvira Birk vom Verein Frauen und Kinder in Not sagte: „In maltherapeutischer Begleitung können Frauen und Kinder ihre Erfahrungen und Wünsche auch ohne Worte ausdrücken und damit anfangen, traumatische Erlebnisse ein Stück weit zu verarbeiten. Wir freuen uns sehr, dass wir einen Teil der dabei entstandenen Materialien hier im ZfP Südwürttemberg zeigen können.“ 
 
Medizin, Therapie und Sozialarbeit würden sich hilfreich ergänzen können, sagte sie weiter. Darüber hinaus bedürfe es einfühlsamer und engagierter Polizist:innen, Anwält:innen und Richter:innen, um weitere Gefährdungen und Verletzungen abzuwenden. „Wichtige Vorbilder sind qualifizierte Erzieher:innen und Lehrer:innen, die geschlechtergerechtes Miteinander vorleben und mit Schüler:innen gemeinsam einüben.“
 
Carmen Kremer, Beauftragte für Chancengleichheit im ZfP Südwürttemberg, sagte: „Geschlechtsspezifische Gewalt fängt bei Alltagssexismus an und endet mit Femiziden.“ Sie lenkte den Blick auf die Fakten in Bezug auf Gewalt an Frauen und verdeutlichte damit die Dringlichkeit, dieser Problematik öffentlich Gehör zu verschaffen: „Jede dritte Frau wird mindestens einmal im Leben Opfer psychischer, physischer und/oder sexualisierter Gewalt durch aktuelle oder frühere Partner. 98 Prozent der Opfer von Vergewaltigung, sexueller Nötigung oder sexueller Übergriffe in der Partnerschaft sind weiblich. 89 Prozent der Opfer von Stalking, Bedrohung oder Nötigung in der Partnerschaft sind weiblich.“
 
Angesichts dieser und weiterer bedrückender Zahlen führte sie die Forderungen der UN Women Deutschland an, welche Weichenstellungen unerlässlich sind: „Die konsequente Umsetzung der Istanbul-Konvention, das heißt Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt und gesicherter Zugang zum Hilfesystem.“ Geschlechtsspezifische Gewalt müsse darüber hinaus als strukturelle Diskriminierung anerkannt werden und „die Stärkung und der Schutz von Mädchen und Frauen muss ein wesentlicher Bestandteil der gesamten Politik in Deutschland und Europa sein“.
 
Dr. Steve Truöl, Chefarzt der Abteilung Depression und Trauma, nahm als Vertreter des ZfP Südwürttemberg am Podiumsgespräch „Geschlechtsspezifische Gewalt erkennen und handeln, bevor sie entsteht“ in der Ravensburger Zehntscheuer teil. Weitere Teilnehmer:innen waren Polizeipräsident Uwe Stürmer und Elvira Birk, Leiterin der Frauenberatungsstelle – Frauen und Kinder in Not e. V. Eindrücklich legte Stürmer dar, dass es am Wochenende zuvor elf Anzeigen wegen häuslicher Gewalt gegeben hatte – „eigentlich sind es nie mehr als fünf“, sagte er. 
 
Birk setzte den Schwerpunkt auf die individuellen Grenzen des Einzelnen: „Auch bei der Sprache sollte unbedingt darauf geachtet werden“, so ihre Worte. Für Truöl war die Essenz des Abends: „Wir alle sind gefordert, Gewalt in jeder Form etwas entgegenzusetzen, auch um zu vermeiden, dass aus Opfern schwer beeinträchtigte Patient:innen werden.“ Veranstaltet hatten das Podiumsgespräch die Stadt Ravensburg, Frauen und Kinder in Not e.V., Soroptimist International und das ZfP Südwürttemberg.




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